Infineon-Konkurrent warnt vor Preisverfall
Hynix gibt Chipbranche neuen Dämpfer

Trübe Aussichten für die Halbleiterindustrie: Der koreanische Produzent Hynix warnte gestern, die Preise für Speicherchips würden dieses Jahr um ein Drittel fallen. Auslöser des heftigen Preiseinbruchs seien Überkapazitäten, teilte der Konkurrent der Münchener Infineon AG mit.

jojo MÜNCHEN. Der Kurs von Hynix gab daraufhin in Seoul um knapp fünf Prozent nach, die Aktie von Infineon war mit einem Minus von fast zwei Prozent der Tagesverlierer im Deutschen Aktienindex (Dax).

Schon im abgelaufenen Quartal seien die Preise für Speicherchips im Vergleich zum Vorquartal um neun Prozent gefallen, hieß es bei Hynix. Hinter dem koreanischen Elektronik-Konzern Samsung ist Hynix der zweitgrößte Speicherchip-Hersteller der Welt. Danach folgen der US-Anbieter Micron und Infineon. Für die Münchener sind die Speicherchips enorm wichtig: Die frühere Siemens-Tochter erwirtschaftete im letzten Quartal mehr als 40 Prozent ihres Umsatzes mit den so genannten Drams. Umsatz und Gewinn hängen deshalb stark davon ab, wie die Dram-Sparte abschneidet.

Hynix sorgte gestern nicht nur mit der trüben Prognose für Ernüchterung. Auch das Quartalsergebnis fiel deutlich schlechter aus als von den Analysten erwartet. Der Gewinn erreichte lediglich 186 Mrd. Won (141 Mill. Euro), die Experten hatten aber rund 500 Mrd. Won vorhergesagt. Zum Teil erklärt sich der niedrige Gewinn allerdings mit Rückstellungen für ein Kartellverfahren in den USA.

Die meisten Analysten sind überzeugt, dass den Speicherchipherstellern in den nächsten Monaten eine Durststrecke bevorsteht. Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch stufte die Hynix-Aktie gestern von „kaufen“ auf „neutral“ herab. Bis in den Spätsommer würden die Preise stark unter Druck bleiben, teilte Merrill Lynch mit. Einige Hersteller könnten mit den derzeitigen Verkaufspreisen die Produktionskosten nicht mehr decken, sind die Experten überzeugt. Mit den üblichen Maßnahmen zur Kostensenkung sei der Preiseinbruch nicht aufzufangen. Ausschlaggebend für die niedrigen Preise sei größtenteils ein schwacher Computermarkt. Die PC-Hersteller sind mit Abstand die wichtigsten Kunden der Speicherchip-Produzenten.

Die Dram-Anbieter haben derzeit die größten Probleme der Chipindustrie. Der Rest der Branche muss sich zwar vom zweistelligen Umsatzwachstum des vergangenen Jahres verabschieden. Alles in allem ist der Markt jedoch stabil. Im Januar sanken die Umsätze im Vergleich zum Dezember lediglich um ein halbes Prozent auf 18,27 Mrd. Dollar. Dies sei ein ermutigendes Zeichen sagte George Scalise, Präsident des amerikanischen Branchenverbands Sia. Der Dezember ist wegen des Weihnachtsgeschäfts einer der stärksten Monate des Jahres.

Trotz des kräftigen Preisverfalls gehen die Speicherchip-Produzenten davon aus, dass sie einen so scharfen Einbruch wie 2001 vermeiden können. Damals rutschte fast die gesamte Branche tief in die roten Zahlen. Infineon-Chef Ziebart: „Die Industrie passt die Kapazitäten heute viel schneller an als früher.“ Zudem hätten die Kunden ihre Lager in vielen Bereichen abgebaut.

Vor vier Jahren hat die Industrie noch auf Volldampf produziert, obwohl die Lager bereits voll waren. Erst als es zu spät war, drosselten die Anbieter die Produktion. In der Folge rutschten die Preise unter die Herstellungskosten. Hynix konnte sich damals nur durch Unterstützung staatlicher Banken vor dem Bankrott retten.

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