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25.07.2008 
Aktie reagiert volatil auf Nachrichten

Infineon kündigt umfassenden Stellenabbau an

Infineon-Chef Peter Bauer hat im Zuge des geplanten Abbaus von 3 000 Stellen Kündigungen nicht ausgeschlossen. Der Stellenabbau soll alle Standorte, Funktionen und Hierarchieebenen betreffen. Analysten äußerten sich unterschiedlich zu den vorgelegten Zahlen und Restrukturierungsplänen.

Dank eines Sondereffekts konnte Infineon beim Ebit zulegen. Foto: ap Lupe

Dank eines Sondereffekts konnte Infineon beim Ebit zulegen. Foto: ap

HB MÜNCHEN. Der Abbau von rund 10 Prozent der Infineon-Stellen soll helfen, die zuletzt enttäuschenden Margen zu verbessern. Im abgelaufenen dritten Quartal zeigte sich das Geschäft des Halbleiterkonzerns zwar operativ besser als von Analysten erwartet, allerdings sorgte die Speicherchiptochter Qimonda erneut für einen hohen Konzernverlust.

Die Infineon-Aktie reagierte am Freitag volatil auf die Nachrichten des Unternehmens. Nach einem schwachen Start in den Handel und Kursverlusten von bis zu 4% drehte der Infineon-Kurs im weiteren Verlauf deutlich ins Plus. Am Mittag notiert die Aktie in einem sehr schwachen Gesamtmarkt 3,8 Prozent im Plus bei 5,02 Euro.

Analysten äußerten sich unterschiedlich zu den vorgelegten Zahlen und Restrukturierungsplänen. Die Analysten der UniCredit sprachen von einer guten Phase für das Unternehmen und stellten den beruhigenden Ausblick sowie das ausgedehnte Restrukturierungsprogramm heraus.

Der Halbleiterkonzern habe eine über den Erwartungen ausgefallene operative Entwicklung verzeichnet und eine positive Zielsetzung für die Sparten AIM und Com vorgelegt. Die Experten halten Infineon für attraktiv bewertet. Sie raten daher unverändert zum Kauf der Aktie und haben ein Kursziel von 10 Euro auf der Aktie.

Auch Analysten der Commerzbank Corporates & Markets (CBCM) sagten, Infineon habe im dritten Geschäftsquartal etwas besser abgeschnitten als erwartet. Der Ausblick auf das vierte Quartal habe aber offenbar die Erwartungen geringfügig verfehlt. Positiv dürfte am Aktienmarkt der geplante Abbau von 10% des Personals aufgenommen werden. CMBC hat Infineon auf „Hold“ eingestuft und sieht das Kursziel bei 5,20 Euro.

Infineon hatte mit der Vorlage der Drittquartalszahlen ihre Pläne für das Sparprogramm IFX 10+ konkretisiert. „Ausgehend vom dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2008 bis zum vierten Quartal des Geschäftsjahrs 2009 erwartet Infineon aus der Umsetzung IFX10+ jährliche Einsparungen in Höhe von mehr als 200 Mill. Euro", teilte der Dax-Konzern am Morgen mit. Bislang hatte das Unternehmen nur einen dreistelligen Mio-EUR-Betrag als Größenordnung genannt. Im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen will Infineon nun Arbeitsplätze abbauen. Insgesamt sollen rund 3 000 der 30 000 Infineon-Stellen wegfallen. „Die Risiken der aktuellen Marktbedingungen, die nachteilige Wechselkursentwicklung und die Anforderungen der Reorganisation an das Unternehmen machen einen Personalabbau unvermeidlich“, so das Unternehmen. Infineon müsse ihre Größe den heutigen Marktbedingungen anpassen.

Den Stellenabbau will Infineon im kommenden Geschäftsjahr 2008/09 abschließen. Das Unternehmen wolle die Maßnahmen so schnell wie möglich umsetzen, sagte CEO Peter Bauer. Er verwies allerdings auf die dafür notwendigen Verhandlungen mit den Arbeitnehmern, die entsprechend Zeit in Anspruch nehmen werden. Der Großteil der Stellenstreichungen soll auf Deutschland entfallen.

Zu den erwarteten Kosten für die anstehende Restrukturierung kann das Unternehmen laut Bauer derzeit noch keine Angaben machen. Angesichts der gerade erst begonnenen Maßnahmen und der anstehenden Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern über den geplanten Stellenabbau sei es derzeit noch zu früh, um konkrete Aussagen treffen zu können, sagte Bauer in einer Telefonkonferenz.

Der Stellenabbau soll „alle Standorte, Funktionen und Hierarchieebenen“ betreffen. In dem nun angekündigten Stellenabbau seien die rund 650 Stellen in Dresden enthalten, deren Streichung das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr angekündigt hatte, sagte ein Infineon-Sprecher auf Nachfrage.

Infineon hatte IFX 10+ im Mai angekündigt, als der Halbleiterhersteller mit einer Gewinnwarnung für das COM-Geschäft die Anleger zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate enttäuscht hatte. Das Programm setzt auf drei Kernpunkte. Die angestrebte Margenverbesserung soll durch ein „konsequentes Portfoliomanagement“, „eine stärkere Senkung der Herstellkosten“ sowie „eine Effizienzsteigerung der Organisation“ erreicht werden.

Im abgelaufenen dritten Quartal zeigte sich zumindest das operative Geschäft stärker als von Analysten erwartet. Bei einem Umsatz von 1,029 Mrd. Euro sei ein EBIT (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 71 Mill. Euro erwirtschaftet worden. Die von der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires befragten Analysten hatten bei einem Umsatz von 1,011 Mrd. Euro mit einem EBIT von 47 Mill. Euro gerechnet.

Im dritten Quartal nahm das Unternehmen jedoch erneut eine Abschreibung auf ihren 77,5%-Anteil an Qimonda über 411 Mill. Euro vor. Infineon hat Qimonda nun mit 2,80 Dollar je Aktie in den Büchern stehen. Im zweiten Quartal hatte Infineon die Qimonda-Aktien bereits auf 6,50 Dollar herunter geschrieben und dafür einen Buchverlust von rund 1 Mrd. Euro ausgewiesen.

Zusammen mit dem Quartalsverlust von Qimonda ergibt die Abschreibung im dritten Quartal ein negatives Ergebnis aus dem nicht geführten Geschäft von minus 637 Mill. Euro. Das Infineon-Konzernergebnis lag entsprechend bei minus 592 Mill. Euro. Analysten hatten hier mit lediglich minus 271 Mill. Euro gerechnet.

Im laufenden vierten Quartal rechnet Infineon zwar mit einem Umsatzplus, sieht aber keine Ergebnisverbesserung. Während der Umsatz zum Vorquartal im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen soll, werde das EBIT vor Sondereffekten „gleich bleiben oder leicht sinken“. Zudem erwartet das Unternehmen im Zusammenhang mit dem Restrukturierungsprogramm IFX-10+ „wesentliche Netto-Sonderaufwendungen“, Infineon bezifferte diese jedoch nicht näher.

Im laufenden Quartal soll der Umsatz im Segment Automotive, Industrial & Multimarket (AIM) zum Vorquartal „voraussichtlich um einen mittleren einstelligen Prozentsatz steigen“. Die EBIT-Marge werde hier ohne Berücksichtigung von Sondereffekten bei 9% bis 10% gesehen. Im Segment Communication Solutions (Com) rechnet Infineon zum Vorquartal mit einem steigenden Umsatz, der zwischen 330 Mio und 350 Mio EUR liegen werde. Infolge des Umsatzanstiegs werde sich „voraussichtlich auch das negative EBIT des Segments ohne Berücksichtigung von Sondereffekten verbessern“. Eine konkrete Zahl nannte Infineon nicht.

Jürgen Wagner, Analyst bei Sal. Oppenheim, stufte den den Ausblick von Infineon für die Com-Sparte als besonders enttäuschend ein. „Zwar sind die Verluste im dritten Quartal mit 30 Mio EUR etwas niedriger als von uns befürchtet ausgefallen. Wir hatten mit 37 Mill. Euro gerechnet“, sagt Wagner. Allerdings deute die Aussage des Halbleiterherstellers, dass mit dem prognostizierten Umsatzanstieg nicht eine „deutliche“ Verbesserung des EBIT einhergehen werde, auf Preisdruck hin. Sal. Oppenheim empfiehlt die Infineon-Papiere als „Reduce“, der faire Wert wird bei 5,00 Euro gesehen. Allerdings werde er diese Zahl nach unten revidieren, so Analyst Wagner.

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