Infineon-Skandal
Auto-Leidenschaft bringt Schumacher in Not

Ex-Infineon-Chef Ulrich Schumacher liebt schnelle und teure Autos. Das wird ihm nun zum Verhängnis. Die Staatsanwaltschaft hat ihn im Schmiergeldskandal beim Technologiekonzern im Visier.

HB MÜNCHEN. "Wir führen ihn als Beschuldigten", sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler am Montag. Die Untersuchungen gegen den 47-Jährigen seien aber noch in einem sehr frühen Stadium. Schumacher, den der Aufsichtsrat vor anderthalb Jahren rausgeschmissen hatte, wird angeblich von Ex-Vorstand Andreas von Zitzewitz belastet. Dieser steht im Mittelpunkt der Ermittlungen.

Während Zitzewitz viel Geld kassiert haben soll, wird Schumacher vorgeworfen, er habe sich in Autos ausbezahlen lassen. Die Geschichte passt gut ins Bild, dass die Öffentlichkeit von Schumacher hat. Als die Infineon Technologies AG im März 2000 an der Börse startete, fuhr Schumacher im Rennfahrer- Outfit mit einem Porsche an der Wall Street vor.

Von seinem Vorstandsgehalt hat sich Schumacher zahlreiche Oldtimer und Klassiker gekauft. Mit einem besonders schönen Stück ließ er sich in der Männerzeitschrift "GQ" abbilden. Um einige dieser Fahrzeuge drehen sich nun auch die jüngsten Vorwürfe. Zitzewitz soll laut Recherchen von "Focus" und "Süddeutscher Zeitung" gegenüber der Staatsanwaltschaft behauptet haben, ein Schweizer Geschäftspartner habe im Auftrag Schumachers Oldtimer und andere Liebhaberfahrzeuge gekauft und sie unter Wert an Schumacher weiterveräußert. Dies sei die Entlohnung gewesen für die Erteilung von Aufträgen an das Unternehmen.

Laut Branchenkreisen beurteilt die Staatsanwaltschaft die Vorwürfe ihres Hauptbeschuldigten Zitzewitz gegen Schumacher sehr zurückhaltend. Im Umfeld Schumachers heißt es zudem, dieser habe während seiner Amtszeit kein einziges Auto von dem Schweizer Geschäftspartner gekauft und könne dies auch nachweisen. Ganz im Gegenteil habe Schumacher diesem zwei Fahrzeuge verkauft und zwar billiger, als er sie selbst erworben hatte.

Doch die Bilder vom "Rennfahrer" Schumacher hängen ihm nach, auch wenn ihn der Auftritt an der Wall Street nachträglich reute. Schumacher sorgte mit seinem Hobby in der Folge immer wieder für Gesprächsstoff. Mit seiner engsten Clique, darunter auch Vorstand Zitzewitz, nahm er an einer Balearen-Rallye und anderen Rennen teil. Einen heftigen Unfall bei einem Rennen in Le Mans überstand er im Jahr 2002 nur mit ein paar Schrammen. Der Konzern bemühte sich, den Unfall bei dem riskanten Hobby des Vorstandschefs geheim zu halten. Im Jahr darauf wurde dann bekannt, dass Schumachers Ferrari mit einem nicht eingetragenen Auspuff von der Polizei erwischt wurde - ein Angestellter sollte ihn nach dem Waschen trockenfahren.

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