Infineon und Balda
BenQ-Insolvenz erschüttert Zulieferer

Nicht nur beim deutschen Handy-Hersteller BenQ Mobile selbst gehen durch die Insolvenz hunderte Arbeitsplätze verloren. Auch die deutschen Zulieferer müssen bluten, allen voran Chiphersteller Infineon und Handyschalen-Produzent Balda. Letzterer verkauft gleich mehrere Werke. Die Aktie befindet sich im Sturzflug.

HB MÜNCHEN. Die Insolvenz von BenQ Mobile schmälert das Infineon-Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/2006 um rund 80 Mill. Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Im neuen Geschäftsjahr 2006/2007 fielen zudem 150 Mill. Euro Umsatz weg. Aus diesem Grund baut Infineon weltweit 400 Arbeitsplätze ab, davon 200 an den deutschen Standorten München, Salzgitter und Nürnberg. Wie der Stellenabbau vollzogen werde, stehe noch nicht fest, sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.

Die Restrukturierungskosten betragen nach Firmenangaben rund 30 Mill. Euro. Infineon wolle sich künftig auf seine neuen Kunden konzentrieren. In den vergangenen Monaten hat Infineon sich nach Kräften bemüht, unabhängiger von BenQ Mobile zu werden; beide Unternehmen haben ihre Wurzeln im Siemens-Konzern und waren deshalb geschäftlich eng verbunden. Mit LG, Samsung und der chinesischen Ningbo Bird ist Infineon bereits ins Geschäft gekommen. Allerdings sind die Volumina noch relativ gering. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Ziebart sagte, Infineon habe eine Reihe von Projekten mit neuen namhaften Kunden laufen.

Der Anteil von BenQ Mobile am gesamten Infineon-Umsatz beträgt nach Firmenangaben 5 Prozent. Der Bereich Com machte zuletzt 15 Prozent seines Umsatzes mit BenQ Mobile, nachdem Infineon schon in den vergangenen Quartalen unter dem Verfall der BenQ-Marktanteile gelitten hatte. Das Ziel, die Sparte Mitte des kommenden Jahres in die Gewinnzone zu führen, muss Ziebart nach der Pleite des Großkunden aufgeben. Das Geschäft mit Handyhalbleiter werde voraussichtlich erst Ende 2007 schwarze Zahlen schreiben, hieß es. Infineon hatte bisher in Aussicht gestellt, die Gewinnschwelle in der Sparte Com bis zum Ende des dritten Quartals 2006/2007 zu erreichen, das im Juni nächsten Jahres endet.

BenQ Mobile, die frühere Siemens-Handysparte, musste nur ein Jahr nach der Übernahme durch den taiwanesischen Elektronikhersteller BenQ Insolvenz anmelden. Von den 3 000 Mitarbeitern bleibt wohl nur für 1 000 Arbeit. Der Insolvenzverwalter will BenQ Mobile zum Entwicklungs- und Produktions-Dienstleister für andere Handyhersteller umbauen.

Auch Balda muss bluten

Die BenQ-Krise reißt auch Balda tief in die Verlustzone. Der Hersteller von Handy-Schalen musste seine Ergebnisprognose für 2006 erneut drastisch reduzieren. Balda rechne für 2006 nun mit einem Verlust von 45 bis 50 Mill. Euro, teilte das Unternehmen aus Bad Oeynhausen mit. Erst Ende September hatte der Vorstand seine Gewinnprognose vor Steuern auf 20 Mill. Euro gesenkt. Auch die Umsatzprognose reduzierte das Unternehmen nach eigenen Angaben deutlich, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. Die Anleger reagierten geschockt; im frühen Handel verloren die Aktien mehr als 10 Prozent an Wert, während es bei Infineon knapp 1 Prozent war.

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