Infineon versüßt Ex-Chef den Abgang
Üppiges Übergangsgeld für Ziebart

Der ehemalige Chef des Chipherstellers Infineon, Wolfgang Ziebart, verlässt seinen Arbeitgeber mit einem üppigen Ruhegehalt. Das erinnert an den Fall von Utz Claassen, den früheren Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns EnBW.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. Dem 58-Jährigen Ziebart stehen laut Vertrag jährlich 560 000 Euro Ruhegehalt zu, das unabhängig von seinem Alter und dem Zeitpunkt seines Ausscheidens gezahlt wird. Sollte er einen neuen Job annehmen oder freiberuflich Einnahmen erzielen, so muss er sich das zwar anrechnen lassen, 280 000 Euro per anno sind ihm allerdings auch dann aus der Infineon-Kasse sicher. Für Ziebarts Nachfolger Peter Bauer gelten dieselben Regeln. Bauer ist erst 47 Jahre alt.

Ex-EnBW-Chef Claassen bekommt nach Auslaufen seines Vertrags jährlich 398 000 Euro und steht mit dieser Regelung in der Kritik. Er war bei Ausscheiden allerdings erst 44 Jahre alt und verteidigt sich unter anderem mit dem Argument, solche Übergangs- oder Ruhegeld-Vereinbarungen seien üblich bei deutschen Konzernen.

Vergütungsberater Heinz Evers hält die jetzt fällige Zahlung für Ziebart für "völlig unangemessen", weil der Manager gerade einmal vier Jahre Vorstandschef des Unternehmens war und die Erfolgsbilanz durchaus umstritten sei. Ziebarts Übergangsgeld wäre schon mit dem ersten Tag seines Dienstbeginns 2004 fällig geworden.

Infineon-Vorstandschefs bekommen nach Angaben im Geschäftsbericht normalerweise Ruhegehälter "frühestens mit Erreichen des 60. Lebensjahres". Die Höhe beträgt 70 Prozent des letzten Monatsgrundgehalts, was im Falle Ziebart 560 000 Euro ausmacht.

Neben dem Ruhegehalt kassiert Ziebart weitere 860 000 Euro als ein "einmaliges Übergangsgeld für den Fall des Übertritts in den Ruhestand". Sein laufender Vertrag, der bis September 2009 gilt, wird ohnehin ausgezahlt und garantiert ihm 1,6 Mill. Euro Fixgehalt pro Jahr.

Der ehemalige Continental-Vorstand hatte sein Amt Freitag vergangener Woche nach einem länger dauernden Streit mit dem Aufsichtsrat aufgegeben. Die Infineon-Kontrolleure hatten dem Manager vorgeworfen, er habe die Sanierung des zweitgrößten europäischen Chipherstellers nicht entschieden genug vorangetrieben. Zudem soll Ziebart eine andere Vorstellung über die künftige Ausrichtung gehabt haben als Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley.

Infineon kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. Bei 7,7 Mrd. Euro Jahresumsatz machte das Unternehmen 2007 einen Verlust von 370 Mill. Euro. Die ehemalige Siemens-Tochter leidet vor allem unter dem schwachen Geschäft ihrer einstigen Speichersparte Qimonda, an der sie noch immer 77 Prozent hält.

Im letzten Quartal fiel erneut ein Verlust von 1,4 Mrd. Euro an. Der Umsatz erreichte nur eine Mrd. Euro - ein Grund, warum Ziebart gehen musste. Analysten haben das unterschiedlich bewertet. "Wir bedauern den Abgang von Ziebart, denn er hat die richtigen Entscheidungen getroffen", urteilten etwa die Experten von Unicredit. Andere Beobachter hingegen halten die unter ihm eingeleitete Neuausrichtung für problematisch.

Ziebart hat den Konzern in knapp vier Jahren radikal umgebaut. Nach der Trennung von den Speicherchips steht Infineon auf zwei Beinen: dem Geschäft mit Chips für die Autoindustrie und einige andere Branchen sowie Halbleitern für die Kommunikation.

Ziebarts Nachfolger Bauer hat heute seinen ersten großen Auftritt auf einem Analystentag in München. Möglicherweise wird er sich zum neuen Sparprogramm äußern, das er vergangene Woche angekündigt hat, ohne Details zu nennen.

Die Infineon-Aktie ist zuletzt in den Keller gerutscht. Gestern verlor das Papier knapp drei Prozent auf etwa 5,60 Euro und gehörte damit erneut zu den schwächsten Werten im Dax. Die Aktionäre sind wegen des Führungswechsels verunsichert. Zudem hat der Konzern gerade gewarnt, das Geschäft in der Kommunikationssparte laufe schlechter als prognostiziert.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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