Infineon
Ziebart rechtfertigt Strategie

Offenbar war der interne Streit bei Infineon noch heftiger als angenommen: In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt der ehemalige Konzernchef Ziebart offen von "Uneinigkeit an der Spitze" und "Differenzen zwischen Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzendem".

MÜNCHEN. Der interne Streit um die künftige Ausrichtung des Chipherstellers Infineon war in den vergangenen Wochen offenbar noch viel heftiger als bisher in der Öffentlichkeit bekannt. In einem Brief an die Mitarbeiter, der dem Handelsblatt vorliegt, schreibt der ehemalige Konzernchef Wolfgang Ziebart offen von „Uneinigkeit an der Spitze“ und „Differenzen zwischen Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzendem“. Er habe sein Amt niedergelegt, um „den Weg für eine im Vorstand und Aufsichtsrat gesamthaft getragene Unternehmensstrategie freizumachen.“

Ziebart war Anfang vergangener Woche zurückgetreten und hatte am Freitag seinen letzten Arbeitstag. Ihm folgt Peter Bauer, der bereits seit 1999 im Vorstand des zweitgrößten europäischen Chipherstellers sitzt. Der Aufsichtsrat hatte Ziebart vorgeworfen, die Sanierung des hoch defizitären Konzerns nicht entschieden und schnell genug vorangetrieben zu haben. Zudem wurde ihm angelastet, sich nicht ausreichend um die verlustreiche Speicherchip-Tochter Qimonda gekümmert zu haben. Darüber hinaus soll sich Ziebart gegen eine Fusion mit einem großen Wettbewerber wie NXP ausgesprochen haben. Ein solcher Zusammenschluss mit Konkurrenten wird derzeit geprüft.

In seinem Abschiedsbrief an die Mitarbeiter rechtfertigt Ziebart seine Strategie, den angeschlagenen Kommunikationsbereich zu sanieren und nicht zu verkaufen oder zu schließen. Auch sei es richtig gewesen, auf eine große Akquisition zu verzichten. Im Nachhinein Rückendeckung bekommt der ehemalige Conti-Vorstand von Analysten. Die Experten von Standard & Poor’s zeigten sich am Freitag überzeugt, dass die angeschlagene Mobilfunksparte des Konzerns wieder auf die Beine kommen wird. Die Analysten gehen davon aus, dass die Münchener ihren Marktanteil in dem Geschäft ausbauen werden und empfehlen die Aktie zum Kauf. Analysten blicken gespannt auf den morgigen Dienstag. Dann wird der neue Vorstandssprecher Peter Bauer zum ersten Mal über seine Pläne in München auf einer Investorenkonferenz berichten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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