Informationsoffensive: Nachrichtensender profitieren von Japan-Katastrophe

Informationsoffensive
Nachrichtensender profitieren von Japan-Katastrophe

Das Verlangen nach Informationen über die Ereignisse in Japan macht die Nachrichtenkanäle zu den Krisengewinnern. Doch trotz der Einschaltrekorde - wirtschaftlich zahlt sich das hohe Zuschauerinteresse vorerst nicht aus.
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DüsseldorfDie verheerenden Ereignisse in Japan bescheren dem Nachrichtensender N-TV nie dagewesene Zuschauerrekorde. „Wir verzeichnen wahnwitzige Quoten“, freut sich Senderchef Hans Demmel. Am Samstagvormittag hätte der Sender Quoten von über zehn Prozent in der jungen Zielgruppe erreicht. Demmel sieht den Nachrichtenkanal der RTL-Sendergruppe in einem Aufwärtstrend, der nun durch das Interesse an den tragischen Ereignisse in Japan noch beschleunigt wird. Im Schnitt sei das Zuschauerinteressen dreimal so groß wie vor dem Erdbeben. Nach Unternehmensangaben erzielten N-TV und N 24 am Dienstag Marktanteil von 2,9 Prozent und 2,84 Prozent.

Die Fernsehsender verzeichnen mit den immer neuen Bilder aus den zerstörten Regionen Rekordquoten. „Es gibt ein unvorstellbares Zuschauerinteresse an dieser Apokalypse biblischen Ausmaßes“, sagte N24-Chef Torsten Rossmann dem Handelsblatt. Der Berliner Nachrichtenkanal hat seine Zuschauerquote auf 1,9 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe gesteigert. Das ist der höchste jemals gemessene Wert. „Das Fernsehen hat bei so einer Katastrophe wie in Japan bewiesen, dass es das absolute Leitmedium ist“, sagt Rossmann. Aber auch die Internetseite von N 24 hat davon profitiert. Die Seitenaufrufe haben sich mit drei Millionen täglich verdreifacht. RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel sagte dem Handelsblatt am Mittwoch, dass sich RTL am oberen Rand der Zuschauerquote bewege. Deutschland größter Privatsender berichtet mit zwei Korrespondenten aus Osaka über die weitere Entwicklung in Japan. Laut Kloeppel berichtete RTL täglich zwischen drei und vier Stunden aus dem Krisenland.

Das Interesse an den immer neuen Hiobsbotschaften wird anhalten. „Ich glaube, diese Katastrophe wird uns länger erhalten bleiben als nur zwei oder drei Tage“, sagte Rossmann in Anspielung auf einen drohenden Atom-Gau.
Die Kanäle reagieren mit einer bislang unbekannten Informationsoffensive. Deutschlands größter Privatsender RTL, eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, bot seinen Zuschauern stündliche Kurznachrichten über die drohende Atomkatastrophe in Nippon. Das ZDF reagierte am Sonntag mit zahlreichen Sondersendungen zu den Folgen des verheerenden Erdbebens. Das „heute-journal“ um 21.45 Uhr wurde angesichts der dramatischen Entwicklung deutlich verlängert. Im ZDF-Infokanal und auf der Internetseite heute.de waren ab frühen Nachmittag das Programm des japanischen Senders NHK zu sehen, das vom ehemaligen Japan-Korrespondenten des ZDF, Gert Anhalt, kommentiert wurde.

Die höhere Zuschauerquoten bescheren den Sender bei der Werbevermarktung höhere Einschaltquoten. Insbesondere die privaten Nachrichtenkanäle N 24 und N-TV (RTL) profitieren davon. Sie haben aber starke Konkurrenz durch werbefreie Konkurrenten wie Phoenix. Der Dokumentationskanal von ARD und ZDF beginnt heute seine Japan-Berichterstattung bereits ab sieben Uhr morgens.

Wirtschaftlich zahlt sich das hohe Zuschauerinteresse aber kurzfristig nicht aus. "Die Kunden haben bereits ihre Werbespots gebucht. Finanziell spüren wir keinen Vorteil", sagte der langjährige N-TV-Chef Demmel. Mittelfristig gibt es allerdings schon einen positiven Effekt. Denn die Nachrichtenkanäle wie N 24 oder N TV gewinnen an Relevanz. Der Bedeutungszuwachs wird sich, so sind sich alle Beteiligten sicher, mittelfristig auch bei der Werbevermarktung günstig auswirken.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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