Informationssicherheit
Im Schattenreich der Hinterhof-Firmen

Im Skandal um den illegalen Handel Millionen Bankdaten geraten Call-Center in die Diskussion: Sie gelten als Einfallstor für Kriminelle, als offener Tresor für Datendiebe. Vor allem Hinterhof-Firmen stehen unter dem Verdacht, die Daten nicht richtig zu sichern. Je kleiner ein Call-Center, desto größter die Probleme.

DÜSSELDORF. Ob Gehaltsabrechnung oder Überweisung, Reisebuchung oder Kreditantrag: Jeder hinterlässt jeden Tag seine Spuren in den weltweiten Computernetzen. So recht scheint schon lange niemand mehr den Überblick zu haben, was mit unseren persönlichen Angaben passiert.

„Immer da, wo Mitarbeiter Zugriff auf kritische Daten haben, besteht die Gefahr, dass sie diese missbrauchen“, warnt Lutz Bleyer, der Sicherheitschef des genossenschaftlichen Rechenzentrums Fiducia, das die Callcenter für rund 240 Volks- und Raiffeisenbanken betreibt.

Call-Center gelten geradezu als Einfallstor für Kriminelle, als offener Tresor für Datendiebe. Vor allem Hinterhof-Firmen stehen unter dem Verdacht, die Daten nicht richtig zu sichern. Je kleiner ein Call-Center, desto größter die Probleme, sagt Clemens Engelke, Sicherheitsexperte und Mitglied der Geschäftsführung des Hamburger IT-Dienstleisters PPI, der auf die Finanzbranche spezialisiert ist.

Einerseits sind die Mitarbeiter dort oft schlecht bezahlt und suchen deshalb nach einem lukrativen Zusatzverdienst. Andererseits ist die Technik unzureichend. „Es darf gar nicht möglich sein, externe Speicher an Firmenrechner anzuschließen“, betont Maik Bockelmann, Europa-Vertriebschef von Lumension Security. Das Unternehmen ist auf Sicherheitssoftware spezialisiert. Auch aus Sicht der großen Call-Center-Betreiber ist Datenklau eine Gefahr, die vor allem von unseriösen Kleinunternehmen ausgeht. „Wir hatten noch keinen Diebstahl“, sagt Richard Brotkorb, COO des Call-Center-Konzerns Walter Services. Das badische Unternehmen ist der größte konzernunabhängige Telefondienstleister in Deutschland.

Die großen Call-Center-Betreiber wie Arvato, der Mediendienstleister des Medienkonzerns Bertelsmann, oder Walter Services, räumen der Datensicherheit bereits seit Jahren höchste Priorität ein. „Bei uns sind in allen Computern die CD- und DVD-Laufwerke entfernt und die USB-Ports deaktiviert. Selbst auf das Internet haben unsere Mitarbeiter keinen Zugriff“, berichtet der frühere IBM-Manager Brotkorb. Insbesondere bei Geschäften für Banken und Versicherungen gelten höchste Sicherheitsstandards. So würden Mitarbeiter für jede Transaktion ein entsprechendes Password erhalten, das bereits Sekunden später nicht mehr gelte.

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