Informationssicherheit
Welcher Datenhandel soll erlaubt bleiben?

Ein neuer Datenklau-Skandal hat die Diskussion neu entfacht, welcher Datenhandel erlaubt bleiben sollte und wie Kunden besser vor Missbrauch geschützt werden könnten. Call-Center geraten ins Fadenkreuz der Kritik.

BERLIN. Ein neuer Datenklau-Skandal hat die Diskussion neu entfacht, welcher Datenhandel erlaubt bleiben sollte und wie Kunden besser vor Missbrauch geschützt werden könnten. Das Magazin "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, dass Kontodaten von 21 Millionen Bürgern vor allem durch Call-Center auf den Schwarzmarkt gelangt sind. Danach müssten im Extremfall drei von vier deutsche Haushalte fürchten, dass von ihrem Konto unberechtigt Geld abgebucht wird.

Der "Wirtschaftswoche" war nach eigenen Angaben eine Muster-CD mit 1,2 Millionen Kundendaten angeboten worden - mit der Option, das ganze Paket für zwölf Millionen Euro zu erwerben. Die CD liegt mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf, die dem Vorgang nachgeht.

Der Inhalt dieses Datenpakets ist nicht nur für legal Werbetreibende, sondern vor allem auch für Betrüger äußerst attraktiv: Neben persönlichen Angaben, wie etwa dem Geburtsdatum, werden auch komplette Bankverbindungen mit Kontonummer und Bankleitzahl geliefert. Einige Datensätze sollen auch detaillierte Informationen zu den Vermögensverhältnissen der Verbraucher enthalten.

Der Kauf von Adressdaten ist sehr einfach: Bei der Schober Group, Europas Marktführer im Datenhandel, kann der Kunde direkt auf einer Bestellmaske im Internet interessante Daten ordern - ganz legal. Firmen sämtlicher Branchen nutzen die Kundendaten, um Werbung gezielter verschicken und Konsumentenprofile erstellen zu können. Schober besitzt 50 Millionen Privatadressen mit mehr als zehn Milliarden Zusatzinformationen. Darunter auch die Beschreibungen von 19 Millionen Häusern in Deutschland. "Haus für Haus persönlich vor Ort bewertet und kategorisiert", wirbt die Firma aus Ditzingen bei Stuttgart, die nach eigenen Angaben streng nach Vorgaben des Datenschutzgesetzes arbeitet.

Auch Anbieter von Preisausschreiben oder Gewinnspielen sind potenzielle Datenvermieter. Dietmar Müller, Sprecher des Bundesdatenschutzbeauftragten, fordert daher Firmen, die Kundendaten weitergeben, zu mehr Sorgfalt auf. "Sie müssen sicherstellen, dass die Daten bei den Auftragsfirmen in guten Händen sind. Nicht nur ein Mal, sondern am besten zehn Mal", sagte Müller dem Handelsblatt.

Die Daten sind bares Geld wert: "Dubiose Firmen kaufen die Daten von den Call-Centern und können damit Einzugsermächtigungen erteilen, ohne dass der Kunde das vorab merkt", erklärt Müller. Die Banken prüfen solche Buchungsaufträge nur stichprobenartig. Deshalb muss der Kunde regelmäßig seine Kontoauszüge kontrollieren und gegebenenfalls unrechtmäßigen Abbuchungen widersprechen, um vor dieser Art des Betrugs einigermaßen sicher zu sein.

Der Missbrauch hat eine ganze Branche alarmiert, die um ihren Ruf fürchtet. So hat der High-Tech-Verband Bitkom ein entschiedeneres Vorgehen gegen Datendiebe gefordert. "Wer sensible Kundendaten unterschlägt und verhökert, schadet Millionen Verbrauchern und dem Ruf der ganzen Wirtschaft", betonte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. "Verstöße gegen den Datenschutz sind kein Kavaliersdelikt."

Seite 1:

Welcher Datenhandel soll erlaubt bleiben?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%