Innovationsdruck
Indiens IT-Götter fürchten China

Mit billiger Software- und Datenpflege für westliche Großkonzerne sind Indiens IT-Konzerne in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. Doch die Konkurrenz aus Fernost hat längst aufgeholt. Damit die indische Vorzeigebranche ihren internationalen Vorsprung retten kann, muss sie neue Märkte erschließen.

NEU-DELHI. Indiens IT-Dienstleister müssen ihr Geschäftsmodell radikal ändern, damit sie ihre weltweit führende Position beibehalten und sich gegen China als neue Großmacht in der Softwareentwicklung und Datenverarbeitung behaupten können. Das ist das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag des indischen Branchenverbands Nasscom.

Die Studie mit dem Titel „Perspective 2020“ nennt als wichtigste Wachstumsmärkte für IT-Dienste den Klimaschutz, das Gesundheitswesen, den Bildungssektor und die öffentliche Verwaltung. Indiens IT-Firmen seien bisher jedoch schlecht gerüstet, dieses Potenzial auszuschöpfen, sagte McKinsey-Direktor Noshir Kaka. „80 Prozent des Wachstums bis 2020 findet in Bereichen statt, die von deren rein kostenorientierter Geschäftsstrategie nicht erfasst werden“, warnte Kaka.

Der Welterfolg indischer IT-Dienstleister wie Infosys, TCS und Wipro beruht bisher auf billiger Software- und Datenpflege für Großkonzerne in den USA und Europa. Die Auslandsumsätze stiegen innerhalb eines Jahrzehnts von vier auf 52 Mrd. Dollar im Jahr 2008.

Die Experten von McKinsey erwarten, dass IT-Dienstleistungen auch künftig einen der weltweit größten Wachstumsmärkte bilden. Das globale Umsatzpotenzial werde sich bis 2020 auf 1,5 Billionen Dollar verdoppeln, heißt es in der Studie.

Wie groß dann allerdings Indiens Stück vom Kuchen sein wird, hängt maßgeblich von der Fähigkeit zur Erschließung der genannten neuen Märkte ab. Gelingt Indiens IT-Dienstleistern der nötige Strukturwandel, dann werden sie laut McKinsey ihre Exportumsätze bis 2020 auf 175 Mrd. Dollar verdreifachen. Die Auslandserlöse könnten sogar auf mehr als 300 Mrd. Dollar steigen, wenn sie bahnbrechende Innovationen etwa im Mobilfunkbereich oder bei der Auslagerung klinischer Forschung erreichen, sagte Kaka. Auch für den indischen Markt erwartet McKinsey ein hohes Umsatzwachstum – von aktuell zwölf auf 50 Mrd. Dollar.

Bis vor kurzem war der Konkurrenzdruck für Indiens führende IT-Firmen gering gewesen. Sie verzeichneten jährlich Wachstumsraten von 30 Prozent und mehr. Die globale Wirtschaftskrise hat deutliche Spuren hinterlassen. Marktführer TCS meldete gestern das neunte Quartal in Folge einen Rückgang des Gewinnwachstums. Von Januar bis März stieg das Nettoergebnis nur noch um 4,7 Prozent und betrug umgerechnet 261 Mio. Dollar. Vergangene Woche hatte bereits Indiens ertragreichster IT-Dienstleister Infosys für das kommende Geschäftsjahr einen Einbruch der Wachstumsraten angekündigt. Ursache sind die gekürzten IT-Budgets der Großkunden in USA und Europa. McKinsey erwartet deshalb, dass die Branche frühere Prognosen deutlich verfehlt. „Das Ziel eines Auslandsumsatzes von 60 Mrd. Dollar im Jahr 2010 wird frühestens drei bis vier Quartale später erreicht“, sagte McKinsey-Direktor Kaka. Es könne auch schlimmer kommen. Denn die globale Rezession werde weitreichende und in ihrem Ausmaß bisher nicht abschätzbare Folgen für Indiens IT-Industrie haben.

Seite 1:

Indiens IT-Götter fürchten China

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%