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Amazon: Die Dotcom-Mystik

Die Amazon-Aktie ist ein Mysterium: Obwohl das Unternehmen letztendlich ein Versandhandel im Gewand eines High-Tech-Unternehmens ist, liegt seine Bewertung beim dreifachen der Konkurrenz. Amazons Leistungen sind unübersehbar – trotzdem muss das Unternehmen in Zukunft noch zulegen.

PORTLAND. Eines muss der Neid dem Amazon-Gründer Jeff Bezos lassen: Einen Versandhändler an der Börse durch dick und dünn als High-tech-Unternehmen zu verkaufen, ist schon ein Kunststück. Die Internet-Blase ist geplatzt, eine zweite High-tech-Hausse gekommen und gegangen, aber Amazon behauptet sich als einer von vier Dotcom-Standardwerten neben Ebay, Yahoo und Google. Obwohl der Kurs seit Januar um ein Viertel eingebrochen ist, liegt er noch bei gut dem 43-fachen des Gewinns pro Aktie.

Nach den jüngsten Ergebnissen stellt sich allerdings die Frage, ob die gegenüber herkömmlichen Versandhändlern mehr als dreimal so hohe Bewertung gerechtfertigt ist. Immer mehr Analysten sagen nein. Das ist ironisch, weil mit der Expansion von Breitbandnetzen Amazon sein ursprüngliches Versprechen einlösen könnte – nämlich Marktführer im digitalen Kommerz zu sein, der Filme, Musik und Bücher als Daten über das Internet versendet.

Amazons Leistungen sind unübersehbar. Bezos erkannte früh die Möglichkeiten des Internets als neuen Vertriebskanal und perfektionierte die gesamte Informationstechnologie rund um Artikelsuche, Bestellung, Bestandskontrolle und Auftragsabwicklung. Wo sonst kann man zum Beispiel nach einer CD suchen, einzelne Titel zur Probe hören, Kritiken lesen und sich ähnliche Musik empfehlen lassen, ohne aus dem Sessel aufzustehen? Aber weil Amazon die Waren lagern, verpacken und versenden muss, blieb die Firma im herkömmlichen Versandhandel verankert.

Die Börse erwartet von High-tech-Werten hohe Wachstumsraten. Um die zu erreichen, mauserte sich das Unternehmen zur Internet-Plattform für einen zunehmend umfangreichen Katalog von Waren der verschiedensten Anbieter. Schmuck, Kochtöpfe, Telefone, Fitnessgeräte, Spielzeug, Handtaschen: Fast alles, was sich versenden lässt, ist heute bei Amazon zu haben. Dass Exklusivverträge mit anderen Einzelhändlern nicht riskant sind, zeigt der Rechtsstreit mit dem Spielzeuganbieter Toys R Us.

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