Inside: AMD
Wieder geht’s ums Überleben

Es gibt viele Halbleiterhersteller, die deutlich größer sind als AMD. Trotzdem steht der US-Konzern stets im Mittelpunkt des Interesses von IT-Experten, Anlegern und Analysten. Der Grund: AMD ist der einzige nennenswerte Konkurrent von Weltmarktführer Intel im Geschäft mit Prozessoren.

MÜNCHEN. Deshalb ist es auch wenig verwunderlich, dass regelmäßig über die Zukunft von AMD spekuliert wird. Insbesondere in der kritischen Phase, die das Unternehmen gerade durchmacht, ist das Interesse groß. Die jüngsten Schlagzeilen in der Presse waren reißerisch: „AMD erwägt Ausstieg aus Chip-Produktion“, hieß es da zum Beispiel. Sollte dem tatsächlich so sein, es wäre eine Sensation. Denn noch fertigt AMD die meisten seiner Prozessoren selbst.

Der Konzern selbst bezeichnet die Meldung als Spekulation. Die zwei Werke in Dresden blieben weiter die „Eckpfeiler“ von AMD, heißt es. Die Strategiewandel also nur heiße Luft? Schwer zu sagen, denn AMD geht es nicht gut. Im ersten Quartal lief bei 1,23 Milliarden Dollar Umsatz ein dramatischer Verlust von 611 Millionen Dollar auf. Außerdem hat sich der Konzern über eine Wandelanleihe frisches Kapital beschafft.

Wie schon so oft in den vergangenen 20 Jahren geht es für AMD auch diesmal wieder ums Überleben. Da wäre es schon beinah fahrlässig, wenn der Vorstand nicht alle Optionen prüfen würde – die Trennung von der Produktion eingeschlossen. Denn Halbleiterwerke verschlingen Milliardenbeträge.

Große Wettbewerber machen es vor: Qualcomm, Braodcomm oder Nvidia kommen schon heute ohne eigene Werke aus. Sie lassen bei anderen Firmen fertigen. Auch Infineon, Deutschlands führender Chipproduzent, hat sich Produktions-Partner an Bord geholt, um die eigene Kasse zu schonen. Der Vorteil: Die Firmen müssen nicht in eigene Werke investieren und können sich stärker auf Entwicklung und Design konzentrieren.

AMD wagt sich nur zögerlich auf diesem Weg voran und vergibt Aufträge an so genannte Foundries. Überwiegend fertigt AMD aber nach wie vor in den eigenen Werken in Dresden. Es gab sogar den Plan, eine weitere Fabrik in Amerika zu bauen. Ob das Projekt nun noch realisiert wird, ist wegen der Finanzschwäche ungewiss.

Unklar ist auch, wie sich ein höherer Anteil an Fremdfertigung oder gar der komplette Ausstieg aus der Produktion auf die Wettbewerbsfähigkeit von AMD auswirken würde. Denn Konkurrent Intel setzt konsequent auf eigene Werke. Die Fabriken des Branchenführers gelten als vorbildlich und sind technologisch auf dem neuesten Stand. Ob AMD dieses Niveau mit Fremdfertigern ebenfalls erreichen kann?

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