Inside: AOL
Entscheidung am 2. August

Ist AOL noch zu retten? In riesigen Lettern prangt die Werbung für den Breitband-Internetdienst www.aolmusic.com fassadenhoch am New Yorker Times Square. „Internet turned up. Way up“, steht da. In der Tat ist das Internet viel besser und schneller geworden. Das Problem: AOL selber wollte das lange Zeit nicht wahrhaben. Und jetzt läuft dem Online-Pionier die Zeit davon.

NEW YORK. „Ich bin drin.“ Mit diesem simplen Satz und einem verblüfften Gesichtsausdruck machte Boris Becker Ende 1999 AOL bei uns unsterblich als einfach zu bedienenden Rundum-Sevice für Anfänger. Dieses Bild hält sich hartnäckig bis heute in den Köpfen. Doch genau hier kulminieren die Sorgen, die AOL und die Muttergesellschaft Time Warner umtreiben.

Denn der Typ des verunsicherten Joe Average, ebenso ahnungs- wie hilflos vor Internet und pfeifendem Telefon-Modem erstarrt, ist ein Auslaufmodell. Die Generation 2.0 der Internetnutzer hat Kabel- oder DSL-Anschluss und vergnügt sich wie selbstverständlich auf myspace.com, kauft bei Ebay oder schaut Videos auf youtube.com.

Und mit dem ängstlichen Neuling stirbt die Kundenbasis. In den zwölf Monaten bis Ende März 2006 verließen über drei Millionen zahlende Kunden das sinkende Schiff. Der Umsatz im ersten Quartal brach um sieben Prozent ein.

Immerhin bleiben noch rund 18,6 Millionen zahlende Abonnenten. Imponierend, ja, aber nicht zukunftsträchtig. Gut 15 Millionen davon kommen noch über die gute alte Telefonleitung ins Web. Und, noch wichtiger, sie repräsentieren eine gewaltige Hausmacht. Die Abonnentenverwaltung ist ein Kernbereich des alten AOL und vergleichbar mit mächtigen Vertriebsorganisationen bei Versicherungen oder Autoherstellern. Wie diese lange den Online-Vertrieb verhindern wollten, fürchtet der Abo-Service Breitband. Denn AOL-Kunden wechseln dann meist zu Telekom- und Kabelunternehmen.

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