Inside: Apple
Warten auf den neuen Zauber

Apple hat ohne Reibungsverluste seine Computermodelle auf Intel-Chips umgestellt. Die neuen Rechner sind deutlich schneller und sie erlauben erstmals die parallele Nutzung von Microsoft Windows neben Apples originärem Betriebssystem OS X.

PORTLAND. Die neue Generation der iPods für Musik- und Videobezug aus dem Netz ist technisch besser und trotz höherer Speicherkapazität billiger. Der Internet-Musikdienst iTunes erhielt eine attraktivere Benutzeroberfläche und bietet nun auch Video-Downloads. Die nächste Generation des Betriebssystems OS X sowie iTV, ein Gerät, das Video-Speicher drahtlos mit dem Heimkino verbinden soll, kommen Anfang 2007.

Apple verstärkt so das Bollwerk gegen den erwarteten Ansturm von Microsoft. Der Gates-Konzern wird zum Weihnachtsgeschäft mit einem eigenem Musikspeicher und Download-Service kommen. Doch gelingt es Konzernchef Steve Jobs und seinem begnadeten Design-Team, das nächste Kaninchen aus dem Hut zu zaubern?

Die Spekulationen reichen von iPhone, einem Apple-eigenen Handy, bis zu einer Video-Allianz mit dem Einzelhandelsriesen Wal-Mart, dem mit Abstand größten Verkäufer von Film-DVD in den USA. Beobachter erwarten, dass Apple 2007 in Zusammenarbeit mit der Telefongesellschaft Cingular eine eigene Kombination von Handy und Musik- oder Videospeicher auf den Markt bringen wird. Ein iPhone in klassischem Apple-Design ließe sich zehn Millionen Mal pro Jahr verkaufen, sagen Optimisten.

Aber wenn es ein waschechtes Apple-Telefon sein soll, müsste sich Cingular oder jeder andere Carrier dem Diktat von Geschmackspapst Jobs beugen. Das wäre zumindest ungewöhnlich. Überdies müsste das iPhone eine große Zahl von Verbrauchern dafür begeistern, Musik aus dem Internet herunter zu laden. Das gelang bisher noch keinem der Konkurrenzprodukte.

Gerüchte über eine Allianz mit Wal-Mart basieren auf der Überlegung, dass einerseits der Einzelhandelsriese die Konkurrenz von Filmen aus dem Netz fürchten muss, dass er aber andererseits mächtig genug ist, um bei den Hollywood-Studios durchzusetzen, dass Downloads so teuer wie DVD sind. Wegen hoher Preise, stundenlanger Speicherdauer, limitierter Filmauswahl und fehlender Verbindung zum Heimkino sind Spielfilm-Downloads bislang eher eine Kuriosität als ein Geschäft.

Apples Comeback mit iPod und iTunes in den vergangenen fünf Jahren ist erstaunlich: über 60 Millionen Speicher und mehr als 1,5 Milliarden Songs hat der Konzern seither verscherbelt; trotz heftiger Konkurrenz hält er immer noch drei Viertel des Speichermarktes und verkauft neun von zehn Songs, die legal aus dem Netz herunter geladen werden. Wenn ihm das Gleiche mit laufenden Bildern aus dem Netz gelänge, würde Jobs seinem Unternehmen Wachstumsraten weit in die Zukunft sichern, die es mit Computern nie erreicht hätte.

Über die Bandbreite der Internet-Verbindungen hat Apple keine Kontrolle. Gleichwohl wird der Konzern versuchen, mit attraktiven und nutzerfreundlichen Geräten auch bei Filmen aus dem Netz die Führung zu übernehmen – lange bevor die Download-Zeiten von Stunden auf Minuten geschrumpft sind. Das Problem ist, dass der Aktienkurs den Erfolg dieser Strategie bereits weitgehend enthält. Viel Spielraum für Enttäuschungen hat Apple nicht.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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