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Axel Springer AG: Bekenntnis einer Verlegerin

Friede Springer, Mehrheitsgesellschafterin des Medienkonzerns Axel Springer, duckt sich nicht weg.

Ihre Sympathie für eine Initiative gegen rechte Gewalt zeigt die Verlegerwitwe öffentlich. Erst vor wenigen Tagen besuchte sie auf der Berliner Insel Schwanenwerder ein sonntägliches Matinee gegen Rechtsextremismus. Angesichts ihres sichtbaren Engagements für ein weltoffenes Deutschland wird die Verlegerwitwe gerne unternehmerisch unterschätzt. Dabei ist die 66-Jährige mit viel Geschäftssinn ausgestattet. Die Finanzkrise kann die Unternehmerin bisher nicht ins Wanken bringen.

Den niedrigen Börsenkurs der Springer-Aktie nutzt Friede Springer nun für millionenschwere Aktiengeschäfte. Erst vor wenigen Tagen kaufte sie für 4,3 Mio. Euro Papiere ihres eigenen Konzerns zu 42 Euro pro Aktie. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 112,65 Euro. Die Witwe des Verlagsgründers Axel Cäsar Springer beobachtet den Kurs des „Bild“-Konzerns genau. In diesem Jahr hat sie bereits elfmal größere Aktienpakete gekauft. Insgesamt hat sie mit ihren dutzend Transaktionen seit Januar über 600 000 Aktien erworben. Das sind knapp zwei Prozent der Axel Springer AG.

Strategisch ergeben die Zukäufe wenig Sinn. Denn Friede Springer hält bereits die Mehrheit an Europas größtem Zeitungskonzern. Über die Gesellschaft für Publizistik hält sie 51,5 Prozent. An dieser Gesellschaft ist sie zu 90 Prozent und ihre Enkel Ariane und Axel Sven Springer zu jeweils fünf Prozent beteiligt. Die jüngsten Zukäufe von Anteilen sind vielmehr das Bekenntnis einer Verlegerin zum Unternehmen.

Gerade in Zeiten gebeutelter Werbemärkte glaubt Friede Springer an die Zukunft ihrer Zeitungen, Zeitschriften und Internetfirmen. Die Meinung von Analysten, dass die Springer-Aktie langfristig interessant, aber aktuell noch kein Kauf sei, verunsichert sie nicht. Im Gegenteil: Die jüngsten Quartalszahlen haben die Verlegerin offenbar noch ermutigt. Ihr Konzern ist im Gegensatz zum Konkurrenten Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“) nicht in Panik ausgebrochen. Springer hat überraschend seine Umsatz- und Gewinnprognose bestätigt. Der Konzern will seine Erlöse und Einnahmen weiter steigern. Das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) soll über dem Vorjahreswert von 434 Mio. Euro liegen. In Anspielung auf die Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr sagte Vorstandschef Mathias Döpfner: „Titeleinstellungen haben wir nicht geplant und nicht nötig. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Mit ihren Aktien hat Friede Springer bereits gute Geschäfte in der Vergangenheit gemacht. So verkaufte sie mit Gewinn drei Prozent ihrer Springer-Aktien an den britischen Investor Michael Lewis und zwei Prozent an Vorstandschef Döpfner. Derzeit hält Friede Springer persönlich knapp sieben Prozent. Dieser Anteil macht ihr viel Freude. Vergangenes Jahr lag schließlich die Dividende bei vier Euro pro Aktie. Wie hoch sie in diesem Jahr ausfallen wird, bleibt aber noch ein Geheimnis bis März 2009.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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