Inside: Axel Springer
Döpfners Drehbuch

Ob der Einstieg von Axel Springer bei der polnischen Sendergruppe Polsat wirklich ein Meisterstück wird, steht in den Sternen. Konkurrenten argumentieren, Springer habe zu viel Geld für eine Minderheitsbeteiligung ausgegeben, die keine wirklichen Mitspracherechte bietet. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille.

DÜSSELDORF. Bertelsmann blickt neidvoll auf Axel Springer. Die Fernsehtochter RTL des Gütersloher Medienkonzerns hatte sich lange um einen Einstieg in den polnischen Fernsehmarkt bemüht. Doch die Verhandlungen mit dem polnischen Medienunternehmer Zygmunt Solorz-Zak blieben erfolglos. Statt dessen einigte sich der ehemalige Gebrauchtwagenhändler mit dem „Bild“-Konzern. Innerhalb weniger Wochen konnte sich Springer an der polnischen Sendergruppe Polsat mit 25 Prozent beteiligen. Und RTL? Europas größte Fernsehgruppe ist wieder einmal gescheitert mit dem Versuch, im schnell wachsenden Fernsehmarkt Polen Fuß zu fassen.

Ob aber der Einstieg bei Polsat wirklich ein Meisterstück wird, steht in den Sternen. Konkurrenten argumentieren, Springer habe zu viel Geld für eine Minderheitsbeteiligung ausgegeben, die keine wirklichen Mitspracherechte bietet. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Bereits seit Wochen ist klar, dass Springer künftig den Finanzchef von Polsat stellen wird. Und bei jedem Medienunternehmen spielt der Kassenwart eine Schlüsselrolle. Außerdem kann der Zeitungs- und Zeitschriftenriese über seine beiden Blätter „Fakt“ und „Dziennik“ mächtig Druck machen – falls notwendig.

Die RTL Group hat es bereits vorexerziert: Auch Minderheitsbeteiligungen können höchst lukrativ und strategisch wertvoll sein. Die RTL-Beteiligungen in Spanien oder Russland sind Beispiele dafür. Wer seinen Fuß erstmal in der Tür hat, kann vieles erreichen. Die Mehrheitsübernahmen beim französischen Fernsehsender M 6 oder dem britischen Kanal Five haben das gezeigt. Im Fall von Polen folgt Springer nur der Strategie von RTL.

Für Springer ist es sinnvoll, im Ausland zu wachsen. Denn im Heimatmarkt hat der Konzern Probleme. Der Gewinnbringer „Bild“ leidet seit Jahren unter einer sinkenden Auflage. Die betagte Fernsehzeitschrift „Hörzu“ kämpft bisher erfolglos gegen die Überalterung ihrer schrumpfenden Leserschaft. Und die Internetgeschäfte? Sie wachsen, sorgen aber bisher nicht für die erwünschte Dynamik.

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