Inside: Balda
Heuschrecken-Köder

Das Ganze erinnert an die geplatzten Träume der New-Economy. Noch Ende vergangenen Jahres strotzte das Management des Handy-Zulieferers Balda vor Selbstbewusstsein. Doch binnen weniger Wochen wandelte sich das Bild komplett. Dem Management von Balda ist in den letzten Monaten alles andere als ein Meisterstück gelungen.

FRANKFURT. Jährlich sollte der Umsatz um 20 Prozent zulegen, spätestens 2010 die magische Grenze von einer Milliarde Euro erreicht sein. Doch aus dem für dieses Jahr prognostizierten Vorsteuergewinn von rund 48 Millionen Euro wird wohl ein Verlust von bis zu 50 Millionen Euro werden.

Dem Management von Balda ist in den letzten Monaten alles andere als ein Meisterstück gelungen. Es hat nicht nur viel zu spät auf die nahende Krise hingewiesen und damit viel Vertrauen verspielt. Seine Argumente und die Konsequenzen, die es aus dem Desaster zieht, lassen Zweifel auch an seiner Strategie laut werden.

Das beginnt mit dem Kerngeschäft, der Herstellung von Handyschalen aus Kunststoff, die 90 Prozent zum Umsatz beiträgt. Nach Lesart der Manager leidet Balda zum einen unter dem Zusammenbruch des Großkunden BenQ, zum anderen unter der schleppenden Nachfrage von Nokia. Doch gerade die letzte Begründung lahmt. Schließlich floriert Nokias Handy-Geschäft in Asien, aber auch in Europa. Dass der weltweite Handyabsatz insgesamt relativ stabil ist, nimmt dem Argument der Balda-Manager einiges an Glaubwürdigkeit.

Tatsächlich müssen es wohl doch vor allem firmeninterne Gründe sein, die das Unternehmen in die Bredouille gebracht haben. Auf der Suche nach ihnen wird man schnell fündig. Da ist vor allem der Trend zu den eher hochwertigen Handys mit Metallgehäusen, vornehmlich aus Magnesium oder Aluminium. Der Kunststoffverarbeiter Balda hat hier nichts vorzuweisen, will erst jetzt in dieses Geschäft einsteigen, viel zu spät.

Damit bleibt das Unternehmen aus dem beschaulichen Bad Oeynhausen unter hohem Margendruck. Denn die Kunststoffschalen werfen weitaus weniger Rendite ab als die edleren Metallgehäuse. Besserung ist nicht Sicht. Branchenkenner erwarten, dass sich der Preisdruck noch erhöhen wird, bei gleichzeitig weiter sinkendem Marktanteil der Kunststoffschalen.

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