Inside Bertelsmann
Nach Gütersloher Art

Ein großer Redner ist Hartmut Ostrowski nicht. Mit seinem abgehackten Sprachduktus kann der Bertelsmann-Chef nicht einmal wohlgesinnte Kollegen mitreißen. Der bekennende Westfale kennt sein Handicap und verzichtet seit seinem Amtsantritt im Dezember auf spektakuläre Auftritte, wie sie unter seinem einstigen Vorgänger Thomas Middelhoff früher bei Bertelsmann üblich waren. Vielleicht liegt es an der Öffentlichkeitsscheu von Ostrowski, dass er gerne unterschätzt wird.

DÜSSELDORF. Denn der 50-Jährige, der bei einem Pils aus dem Sauerland in kleiner Runde überaus überzeugend sein kann, weiß was er will. Er trimmt das ostwestfälische Familienunternehmen unbarmherzig auf Rendite. Der Eigentümerfamilie Mohn hat er viel versprochen. Ostrowski will den Umsatz bis 2015 auf mehr als 30 Milliarden Euro katapultieren. Im vergangenen Jahr erzielte der Branchenprimus nicht einmal 19 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) soll bis dahin von zuletzt 1,8 Milliarden auf über drei Milliarden Euro steigen.

Von seinen ehrgeizigen Zielen ist der bullige Manager aber noch meilenweit entfernt. Das miserable Buch- und DVD-Geschäft in den USA und der schleppende Verkauf von CDs sorgten im ersten Quartal für einen Umsatzrückgang um 3,9 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Der Dollar kann als Ausrede nicht herhalten. Denn auch ohne einen nachteiligen Wechselkurs wären die Erlöse weiter geschrumpft. Ostrowski hat zu den miserablen Zahlen in der vergangenen Woche geschwiegen. Was soll er auch sagen? Denn um bei Bertelsmann das Ruder herum zu reißen, braucht es Zeit, sogar viel Zeit.

Ostrowski stellt die richtigen Weichen. Er macht das aber nach Gütersloher Art. Der frühere Chef des Druck- und Mediendienstleisters Arvato nimmt auf nichts und niemanden Rücksicht. Den ehemaligen Middelhoff-Vertrauten Peter Olson, Chef des weltgrößten Buchkonzerns Random House, schickt er wegen schlechter Zahlen aufs Altenteil. Die falsche Entscheidung seines Vorgängers Gunter Thielen, den US-Buchklub Bookspan und der CD- und DVD-Versender Columbia House für sagenhafte 312 Millionen Euro zu kaufen, korrigiert er. Der Verkauf der beiden Sorgenkinder ist bereits auf der Zielgeraden.

Und der Musikkonzern Sony-BMG? Es ist ein offenes Geheimnis in Gütersloh, dass Ostrowski prüft, ob er sich nicht ganz aus dem Musikgeschäft verabschiedet und die Zusammenarbeit mit dem japanischen Unterhaltungsriesen Sony beendet.

Schnelle Erfolge wird Ostrowski auch künftig nicht vermelden können. Die Entwicklung neuer Geschäfte wie beispielsweise die Milliarden schwere Übernahme von Service und Dienstleistungen von Städten und Gemeinden klappt nicht von heute auf morgen. Ohne politische Rückdeckung geht eine solche Liberalisierung der öffentlichen Verwaltung nicht über die Bühne. Doch bei diesem Vorhaben kann sich Ostrowski auf seinen Vorgänger Thielen verlassen. Als neuer Chef der politisch einflussreichen Bertelsmann Stiftung unterstützt er das wichtige Vorhaben.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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