Inside: Canon
Lücke im Programm

Dem japanischen Elektronikkonzern Canon fehlt im Vergleich zu Sony und Panasonic die Hälfte eines Kerngeschäfts. Denn das Unternehmen hat bisher keine Monitore oder TV-Geräte im Sortiment. Diese Lücke versucht Canon seit Jahrzehnten zu füllen. Bislang ohne sichtbaren Erfolg.

TOKIO. Während die Wettbewerber im Markt für Videoausrüstung sowohl Kameras als auch Fernseher anbieten, kann der treue Canon-Kunde zwar in hervorragender Qualität aufnehmen, die Aufnahme dann aber dann nicht großformatig abspielen. Es gibt keine Canon-Monitore oder TV-Geräte. Firmenchef Fujio Mitarai hat daher Displays zur Schlüsseltechnik erklärt.

Das Unternehmen will gleich eine Technik-Generation überspringen, nachdem es in den 90er-Jahren mit einer Konkurrenztechnik zu den heute üblichen Flüssigkristallanzeigen gescheitert war: „FLC“ bot keinen Zusatznutzen, kostete aber mehr in der Herstellung. Mitarai hat nun die Devise ausgegeben, gleich auf den Fernseher von morgen zu setzen.

Canon hat als jüngsten Schritt gerade angekündigt, für den großen Tokioter Mittelständler Tokki zu bieten. Tokki stellt Elektroluminiszenzprodukte her und gilt als besonders versiert bei der Entwicklung von Herstellungsausrüstung für die Produktion organischer Leuchtdioden (Oleds).

Die Hilfe von außen ist überfällig, denn Canon verfolgt seine Displaypläne mit bewundernswerter Hartnäckigkeit, jedoch bisher ohne greifbares Resultat. Den meisten Verbrauchern wird Canon als Hersteller von Kameras, Druckern und Kopierern bekannt sein, doch das Unternehmen stellt mit 120 000 Mitarbeitern auch Halbleiter-Belichter, elektronische Komponenten oder Medizintechnik her und kommt damit auf einen Umsatz von vier Bill. Yen (25 Mrd. Euro).

Bereits seit 1986 lässt das Unternehmen auch an organischen Leuchtdioden für Anzeigen forschen. Nach technischen Fortschritten in den 90er-Jahren hat es sich 1999 mit Konkurrent Toshiba zusammen getan, um die Idee möglichst schnell zur Marktreife zu bringen. 2005 steuerten die Partner offiziell bereits auf die „Großserienfertigung von preisgünstigen SED-Displays“ zu. Schon 2006 sollte ein Fernseher auf den Markt kommen. Jetzt ist das Projekt auf Unbestimmt verschoben. Zugleich machte ein US-Unternehmen Ärger, das ein Patent auf eine Schlüsseltechnik besitzt. Es machte klar, dass die Lizenz zu deren Nutzung nur für Canon galt, nicht für Toshiba. Der finanzstarke Partner zog sich offiziell aus dem Projekt zurück.

Die Canon-Technik SED (Surface-conduction Electronemitter Display) erlaubt wunderbar strahlkräftige und klare Bilder. Trotz der zwanzigjährigen Tüftelei sind diese Anzeigen jedoch sehr schwer in Masse zu produzieren. Peinlich für Canon: Rivale Sony ist in wenigen Tagen bereits mit einem verwandten Produkt auf dem Markt. Das Ding ist bisher zwar klein, teuer und extrem selten, aber anders als der SED-Fernseher ist es bald im Laden zu haben.

Der Kaufpreis von 7,6 Mrd. Yen für Tokki könnte also wirklich gut angelegtes Geld sein. Für einige der Spezialtechniken, die Tokki anbietet, gibt es in Japan nur einen weiteren Konkurrenten. Auch Tokki arbeitet schon seit 16 Jahren an Techniken zur Herstellung von Anzeigegeräten auf Basis von organischen Leuchtdioden und ist zwischenzeitlich ein Bündnis mit dem US-Konzern GE eingegangen, um die explodierenden Entwicklungskosten stemmen zu können. Da sich wegen der technischen Probleme mit der Massenproduktion die Kundenbasis nicht entsprechend entwickelte, schrieb Tokki trotz seiner Patentstärke zuletzt operativ rote Zahlen. Gemeinsam können Tokki und Canon ihre Schwierigkeiten nun überwinden.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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