Inside: Datev
Neue Wachstumschancen

Die Datev ist ein Unikum in der schnelllebigen IT-Landschaft. Der IT-Dienstleister erzielt seit Jahren stabile Umsätze, fährt solide Gewinne ein und hält seinen Mitarbeiterstamm nahezu konstant. Die Nürnberger stehen für Kontinuität wie kein anderes Unternehmen der von heftigen Ausschlägen geprägten Branche.

NÜRNBERG. Dass das so ist, hat seinen Grund: Die Datev ist eine Genossenschaft, und die Mitglieder – vor allem Steuerberater – sind gleichzeitig die wichtigsten Kunden. Deren Geschäft wiederum ist ausgesprochen stabil, da sie hauptsächlich mittelständische Kunden bedienen und ihnen die Arbeit angesichts der komplexen deutschen Steuerlandschaft nicht ausgeht.

Nun ist Datev-Chef Dieter Kempf ein dynamischer Manager, der die Unternehmensentwicklung gern etwas beschleunigen möchte. Also hat er seine Mitglieder davon überzeugt, dass sich die Datev im Ausland engagieren sollte. Doch das ist schwierig, denn die Datev-Dienstleistungen und die Software lassen sich schwer exportieren. Zu unterschiedlich sind die Steuergesetze in den einzelnen Ländern. Deshalb müssen neue Produkte entwickelt werden – und das dauert seine Zeit.

Deshalb sucht die Datev nach weiteren Wachstumsmöglichkeiten. So hat Kempf Berufsgruppen wie Anwälte und Wirtschaftsprüfer entdeckt, die Datev zusätzlich zu den Steuerberatern ansprechen will. Doch auch hier punktet die Genossenschaft nur ganz langsam. Denn anders als im Steuerberatermarkt haben die Franken auf diesem Feld kräftig Konkurrenz, müssen die Kanzleien also mühsam abwerben.

Darum setzt Kempf nun auf ein weiteres Feld, um zu wachsen. Seine Genossen haben ihm durch eine Satzungsänderung erstmals erlaubt, direkt mit ihren Kunden in Kontakt zu treten. Damit eröffnet sich für die Datev in den nächsten Jahren ein Umsatzpotenzial, das ihr bis jetzt nicht zugänglich war.

Bislang hat die Datev nur mit ihren Mitgliedern Geschäfte gemacht. Sie hat denen ihre Rechenzentren oder ihre Software zur Verfügung gestellt. Viele Deutsche bekommen beispielsweise ihre Lohnabrechnung von der Datev. Allerdings stellt die Datev die Rechnung dafür nicht direkt an die Unternehmen. Das übernimmt der Steuerberater der Firma.

Wenn der Steuerberater zustimmt, darf die Datev die Firmen nun direkt ansprechen und ihre Angebote an den Mann bringen. Das ist vor allem im heftig umkämpften Softwaregeschäft interessant. Hier will die Datev Programme zur Unternehmenssteuerung absetzen oder Software für das Personalwesen.

Die Steuerberater profitieren von dem zusätzlichen Geschäft, weil die Datev ihre Gewinne fast komplett ausschüttet. Positiver Nebeneffekt: So kann sich die Datev auch gegen Softwareanbieter wie SAP oder Microsoft wehren, die in den Mittelstand drängen.

Zugegeben: Der richtig große Sprung wird der Datev mit all diesen Ansätzen kurzfristig kaum gelingen. Doch das für 2006 geplante Umsatzplus von mehr als einem Prozent auf knapp 590 Mill. Euro ist schon deutlich mehr, als die Datev vergangenes Jahr erreicht hat. Und wenn die Expansionspläne mittelfristig aufgehen, dann wird die Firma mit Sicherheit deutlich stärker wachsen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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