Inside: Dell: Neues Modell gesucht

Inside: Dell
Neues Modell gesucht

Zwar ist es etwas viel verlangt vom US-Unternehmer Michael Dell, deutsche Sprichwörter zu kennen. Hätte er aber beherzigt, dass Hochmut vor dem Fall kommt, wäre ihm vermutlich eine Menge Ärger erspart geblieben.

MÜNCHEN. In den vergangenen Jahren betonte Dell immer wieder, sein PC-Konzern kenne keine Wachstums-Grenzen und werde – Preiskrieg hin, neue Konkurrenz aus Asien her – weiter profitabel wachsen. Spätestens seit vergangener Woche ist klar, dass Dells hochnäsiger Optimismus mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Der einst weltgrößte PC-Hersteller ist ins Schlingern geraten. Michael Dell muss um die Zukunft seines Unternehmens fürchten.

Deshalb übernimmt einer der berühmtesten Studienabbrecher der Branche nun wieder selbst das Steuer – erst vor zweieinhalb Jahren hatte er den Chefsessel im Vorstand gegen den im Aufsichtsrat eingetauscht. Seinem Nachfolger Kevin Rollins traut Dell es nicht zu, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Zuletzt versank der Konzern immer tiefer in einem Sumpf aus schlechten Zahlen, verfehlten Prognosen und Ermittlungen der Börsenaufsicht.

Doch es wird auch Dell nicht leicht fallen, das Unternehmen wieder auf die Beine zu stellen. Nicht zuletzt, weil jetzt ganz andere Fähigkeiten gefragt sind als bei der Gründung vor 23 Jahren. Heute setzt der Konzern mehr als 50 Milliarden Dollar um. Damit gleicht er eher einem schweren Lkw als dem spritzigen Sportflitzer, der er einst war.

Die Beweglichkeit, die die Texaner noch vor wenigen Jahren gegenüber großen Wettbewerbern auszeichnete, ist dahin. Ein Beispiel: Erst im Herbst 2006 baute Dell erstmals AMD-Prozessoren in seine Rechner ein. Der Rest der Branche nutzte damals längst die Chips des Herausforderers AMD neben denen des Marktführers Intel und entsprach damit den Kundenwünschen – Dell nicht. Hinzu kommt, dass Dell nach wie vor stark von der Hardware abhängt. Konkurrenten wie IBM oder HP haben längst ein starkes Software-Geschäft aufgebaut und in IT-Dienstleistungen investiert. Dort sind oft höhere Margen zu erzielen.

Noch ist Dell zwar nicht zu unterschätzen. Der vom Konzern praktizierte Direktverkauf hat klare Vorteile. Doch selbst in der Logistik, in der Dell jahrelang die Nase vorn hatte, hat die Konkurrenz aufgeholt. Michael Dells vordringliche Aufgabe ist es jetzt, mit neuen Konzepten wieder anzugreifen. Noch hat er nicht gesagt, wie er das Unternehmen wieder voran bringen will. Bislang hat er lediglich seinen Mitarbeitern die Boni gestrichen und Entlassungen angekündigt.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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