Inside: Deutsche Telekom
Gewinn-Spiele

Die Aktionäre der Deutschen Telekom hätten es eigentlich schon längst sehen können: Bei ihrem Unternehmen passt die Entwicklung wichtiger Kennziffern seit Jahren nicht zusammen.

Von einem guten, etablierten Konzern dieser Größe wäre zu erwarten, dass Umsatz und Gewinn gleichmäßig steigen. Der Cash-Flow, das Geld, das in die Kassen fließt, nachdem alle Rechnungen bezahlt sind, sollte sich ähnlich entwickeln wie der Überschuss. Doch der Umsatz stagniert, der Cash-Flow sinkt, und der Gewinn geht mal rauf und mal runter. Die Telekom schüttet obendrein mehr Dividende aus, als sie verdient hat. Und das sollen die Aktionäre heute auf der Hauptversammlung absegnen?

100 Fußnoten im Geschäftsbericht liefern keine schlüssige Erklärung, warum die drei Größen so auseinander laufen. Vielleicht kommt nicht genug Geschäft herein, die Kosten sind zu hoch, oder am Gewinn wurde gedreht. Bei der Telekom stimmt wohl von jedem etwas.

Zum Umsatz: Er steigt nur mühsam, zuletzt ist er gar geschrumpft. Es fehlen Wachstumsimpulse, im Festnetz laufen die Kunden davon, im Mobilfunk drückt scharfer Wettbewerb die Preise. Riesige Kostenblöcke bekommt die Telekom gleichzeitig nur schwer in den Griff. Besonders im Jahr 2006 haben die Umsatz- und die Vertriebskosten einen Sprung nach oben gemacht. Hauptgrund waren Personalabbaukosten in Milliardenhöhe und in allen Bereichen. Über Jahre hat die Telekom im schnelleren Tempo Geld ausgegeben als über den Umsatz herein geflossen ist. Als Folge ging auch die dritte Größe, der operative Cash-Flow, zurück.

Und der Gewinn? 2002 ein riesiger Verlust von knapp 25 Milliarden Euro, steigende Ergebnisse bis 2005, als die Telekom gut sechs Milliarden Überschuss meldete, dann ging es bis 2007 wieder bergab, auf nur noch eine Milliarde Euro. Ein Grund dafür sind die Wechsel an der Konzernspitze. Gerne schreibt ein neuer Chef zu Beginn seiner Amtszeit Verluste, damit in den Folgejahren die Zahlen rasch besser aussehen. Ex-Vorstandschef Kai Ricke-Uwe etwa verbuchte zu seinem Amtsantritt 2002 Wertberichtigungen von 36,9 Milliarden Euro auf alles, was sein Vorgänger zuvor zu teuer gekauft hatte. 2005 polsterten Sondereffekte den Gewinn um Milliardenbeträge auf. Als 2006 René Obermann kam, sackte der Überschuss wieder in den Keller.

Die neuen Bilanzierungsregeln nach IFRS dürften die freie Gewinngestaltung noch erleichtert haben. Pensionslasten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro stören die Gewinne nicht mehr. Sie werden nur noch mit dem Eigenkapital gegengerechnet. Die Auflösung von Reserven für die Postbeamtenkasse besserte das Ergebnis 2005 um 800 Millionen Euro auf. Steuereffekte aus den USA korrigierten den Gewinn 2005 und 2006 um Milliarden nach oben.

Im Zweifel ist der Cash-Flow die verlässlichere Größe, weil er weniger manipulierbar ist. Doch auch Umsatz und Gewinn gehören zum Gesamtbild. Solange Obermann der Gleichklang nicht gelingt, sollten Aktionäre das Weite suchen. Tolle Dividende hin oder her.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%