Inside: Deutsche Telekom
Kein großer Wurf

Das hat sich Telekom-Chef René Obermann sicher anders vorgestellt: Da verkündet er vergangene Woche, dass er mehr als 20 Prozent am griechischen Telekomkonzern Hellenic Telecom kaufen und das Management dort stellen will – doch die T-Aktie rutscht ins Minus. Dabei ist der Schritt richtig.

Er ist nur nicht groß genug, um der Deutschen Telekom Auftrieb zu geben. Für die Akquisition sprechen die Töchter von Hellenic Telecom (OTE) in Osteuropa. Das Objekt der Obermann?schen Begierde ist neben Griechenland in fünf weiteren Ländern vertreten: Bulgarien, Rumänien, Serbien, Albanien und Mazedonien. In der Branche hört man, Obermann wollte ursprünglich nur diese Auslandstöchter kaufen - und OTE den Griechen überlassen.

Aber auch mit Hellas hat der Plan Charme. Er markiert seit langem wieder so etwas wie eine Expansion der Telekom. In den vergangenen Jahren war der Konzern im Inland auf Schadensbegrenzung aus und wagte im Ausland allenfalls Trippelschritte: Obermann kaufte kleinere Mobilfunker in Österreich, den Niederlanden und den USA hinzu - Länder, in denen die Telekom bereits vertreten war.

Die meisten Märkte von OTE sind jedoch neu und ergänzen den Bonner Konzern nahezu perfekt. Der nämlich hat den Schwerpunkt des Europageschäfts auf den Osten gelegt und ist dort bereits in Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei vertreten. Die einzige Überschneidung, die sich mit den OTE-Töchtern ergibt, ist der relativ kleine Markt Mazedonien. Dort muss entweder die Telekom ihre Tochter verkaufen oder OTE seine Beteiligung abstoßen. Das ist jedoch ein geringer Preis angesichts der großen Portfolio-Erweiterung, die Obermann mit einer einzigen Aktion gelingen würde.

Und das alles gibt es sogar für einen Schnäppchenpreis. Nach jahrelanger Vorarbeit ist es der Telekom nun offenbar gelungen, die Athener Regierung zu überzeugen, ihr maßgeblichen Einfluss auf das Management einzuräumen, obwohl sich die Telekom nur mit maximal einem Drittel an OTE beteiligen will. Ein solches Konstrukt ermöglicht Obermann, OTE voll in seinen Büchern zu konsolidieren. Es spart ihm darüber hinaus Geld, das er nicht für die Mehrheit auf den Tisch legen muss.

So sinnvoll die Beteiligung auch ist, ein Befreiungsschlag ist sie nicht. Sie ist auch keine Antwort auf die Frage, wie der Konzern wachsen will. Zwar lobt die Telekom Osteuropa pauschal als "Wachstumsmarkt". Ein genauer Blick auf die Verhältnisse dort zeichnet aber ein anderes Bild: In Bulgarien und Griechenland haben mehr Einwohner ein Handy als in Deutschland, in Serbien ist der Markt ähnlich gesättigt wie hierzulande. Wachstum versprechen allein Albanien und Mazedonien.

Nun besitzt OTE in diesen Ländern nicht nur Mobilfunker, sondern auch Festnetzanbieter, deren Netz nicht gut ausgebaut ist. Insofern kann die Telekom in Ländern schon noch stärker wachsen als in Deutschland. Ein großer Wurf ist er aber dennoch nicht - das sehen auch die Börsen so.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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