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Deutsche Telekom: Nötig, aber unehrlich

Eines ist bereits sicher: Bei den angekündigten Umstrukturierungsmaßnahmen der Telekom werden einige Beschäftigte auf der Strecke bleiben. Zwar beteuern die Manager vor den Kameras keinen Angestellten verlieren zu wollen. Doch letztlich ist die Zusammenlegung der Callcenter-Standorte nur ein Versuch des Konzerns, weiteres Personal durch die Hintertüre los zu werden.

DÜSSELDORF. Treuherzig schauten die Telekom-Manager in der vergangenen Woche in die Kameras: Sie versicherten, dass sie keinen Mitarbeiter durch die neueste Umorganisation verlieren wollten. Tatsächlich schließt der Konzern aber zwei Drittel seiner aktuell 83 Callcenter-Standorte. Das bedeutet, dass 8 000 Mitarbeiter künftig anderswo arbeiten müssen – im besten Fall in einem anderen Gebäude in derselben Stadt. Im schlechtesten Fall in Gebieten, die einen Umzug erfordern würden.

Auch wenn die Telekom jedem Mitarbeiter einen neuen Job anbietet und keine Callcenter-Stellen streicht, ist klar, dass bei dieser Aktion Beschäftigte auf der Strecke bleiben werden. Viele der Betroffenen arbeiten nur Teilzeit oder sind Frauen, die ihre Familien nur schwer zu einem Umzug bewegen könnten. Die jüngste Entscheidung ist deshalb auch ein Versuch, durch die Hintertüre weiter Personal los zu werden.

Die Telekom will – und muss – den Konzern verjüngen. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht bietet das zwei Vorteile: Zum einen kommt damit frischer Wind in die Bereiche, in denen die Alterstruktur deutlich höher ist als bei anderen Callcenter-Betreibern. Zum zweiten hat die Telekom im vergangenen Sommer in zähen Verhandlungen mit der Gewerkschaft niedrigere Einstiegsgehälter für Nachwuchskräfte durchgesetzt und kann durch eine Verjüngung bei den Gehältern sparen.

Diese Möglichkeit muss Konzernchef René Obermann nutzen. Operativ ist die Lage vor allem auf dem deutschen Heimatmarkt angespannt: Umsatz und Gewinn sind unter Druck, sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk. Auch das bisherige Zugpferd, T-Mobile USA, trägt wegen des zuletzt schwachen Dollarkurses nicht mehr so viel zum Ergebnis bei wie in den vergangenen Quartalen.

Obermann kann es sich aber nicht leisten, sein Gewinnziel noch einmal zu verfehlen. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt hatte er Anfang 2007 die Konzernprognose reduziert – nur sechs Monate nachdem sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke eine Gewinnwarnung veröffentlicht hatte.

Die Zusammenlegung der Callcenter-Standorte ist zwar nur ein vergleichsweise kleiner Beitrag zum Sparprogramm: 57 Mill. Euro pro Jahr soll sie bringen. Insgesamt will die Telekom ihre Kosten bis zum Jahr 2010 um 4,2 bis 4,7 Mrd. Euro pro Jahr senken. Aber die Telekom kann es sich nicht leisten, Sparpotenzial ungenutzt zu lassen.

Auf der anderen Seite täte ein wenig mehr Offenheit den Beschäftigten gegenüber auch Not. Die Gewerkschaften waren in die Überlegungen nicht eingebunden. Am Ende ist ein Abfindungsangebot ehrlicher als ein Versteck-Spiel und treuherzige Versicherungen, die in vielen Fällen einfach zu nichts führen. Die Callcenter-Mitarbeiter sind die wichtigste Schnittstelle des Konzerns zum Kunden. Sie haben im vergangenen Jahr nach einem Streik bereits harten Einschnitten zugestimmt. Sie noch weiter unnötig zu verärgern, wird die Qualität des Service nicht verbessern.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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