Inside: Deutsche Telekom
Schwierige Kurspflege

Telekom-Chef René Obermann hat sich weit aus dem Fenster gelehnt: Wenn der Aktienkurs in den kommenden ein bis Jahren keinen Anschluss an die Papiere der Wettbewerber finde, habe er verloren, sagte der Vorstandsvorsitzende. Diese Ansage ist angesichts der miserablen Entwicklung der T-Aktie gewagt.

DÜSSELDORF. Die Papiere der internationalen Wettbewerber haben die Deutsche Telekom in diesem Jahr weit abgehängt. Der einst als Volksaktie gepriesene Titel liegt sogar deutlich unter dem Branchenindex Dow Jones Euro Stoxx Telecom. Der wichtigste Grund dafür ist das Fehlen von positiven Nachrichten bei der Telekom. Obermann hat zwar zügig viele Baustellen bearbeitet und wichtige kleine Schritte wie Zukäufe im amerikanischen und niederländischen Mobilfunk unternommen. Das allein reicht aber nicht aus, um Investoren wieder Zuversicht in die Zukunft des rosa Riesen zu vermitteln.

Im Vergleich mit den europäischen Konkurrenten sind keine Nachrichten schlechte Nachrichten. Denn sowohl Vodafone als auch Telefónica und selbst die ebenfalls angeschlagene France Télécom konnten in diesem Jahr Wachstumsphantasien wecken: Die Spanier erhöhten früher als geplant die Dividende und kauften sich bei Telecom Italia ein; Vodafone schichtete sein Portfolio um und ist nun auch in wachstumsstarken Schwellenländern wie Indien vertreten. Die Franzosen lösten in der gesamten Branche ein Kursfeuerwerk aus, als sie Ende Oktober bei der Vorlage der Quartalsergebnisse ihren Jahresausblick erhöhten.

Die Deutsche Telekom hat dagegen ihre ohnehin schon zwei Mal reduzierte Gewinnprognose für dieses Jahr auch für das kommende Jahr beibehalten. Dabei hatten die Märkte zumindest auf eine leichte Erhöhung gehofft. Eine Erklärung für den moderaten Ausblick sind die schlechten Erfahrungen: Nachdem Obermann und sein Finanzchef für die zweite Gewinnwarnung Anfang des Jahres von den Märkten geprügelt wurden, wollten sie für das kommende Jahr vermutlich auf Nummer sicher gehen.

Etwas anderes ist aber viel beunruhigender: In Bankenkreisen heißt es, die Telekom sorge sich um ihr Gewinnziel. Deshalb habe sie vor zwei Wochen den geplanten Verkauf ihrer Funktürme abgeblasen. Grund sei die Befürchtung gewesen, ein Verkauf könne den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) der Telekom -Tochter T -Mobile belasten. Die nämlich nutzt die Funktürme als Standort für ihre Mobilfunkantennen.

Die befinden sich im Besitz der Telekom AG, die sie konzernintern an T -Mobile vermietet. Bei einem Verkauf hätte T -Mobile dem neuen Eigentümer vermutlich eine höhere Miete zahlen müssen als dem eigenen Konzern. Die Mehrkosten hätten das Ergebnis der Tochter belastet, die ohnehin unter rückläufigen Umsätzen und einem anhaltenden Preisverfall auf dem deutschen Markt leidet.

Das Funkturm-Beispiel deutet darauf hin, dass die Telekom selbst bei ihrem stagnierenden EBITDA-Ziel für 2008 nicht viel Spielraum sieht. Damit ist Obermanns Ziel, mit dem Aktienkurs zu den Wettbewerbern aufzuschließen, in Gefahr.

Die T-Aktie zog zwar in der vergangenen Woche um gut drei Prozent an und landete erstmals seit Monaten wieder über 15 Euro. Der Sprung dürfte aber vor allem von einer positiven Entwicklung des gesamten Marktes getragen gewesen sein. Zwar machten zur gleichen Zeit Gerüchte die Runde, die Telekom wolle ihre Dividende erhöhen. Doch selbst das dürfte bei Investoren einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Nach Analystenschätzungen müsste die Telekom selbst eine stagnierende Dividende von 72 Cent je Aktie in diesem Jahr bereits aus der Substanz bezahlen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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