Inside: Ebay
Doppeltes Dilemma

Drei, zwei, eins, meins: Das Online-Auktionshaus Ebay hat selbst zugeschlagen und sich mit Skype den populärsten Anbieter für Internettelefonie zugelegt – scheinbar ein guter Fang. Doch mittlerweile ist klar, dass sich Skype-Kunden ungern mit Kosten herumschlagen und der teure Einkauf wird zur Belastung.

DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick erscheint die Aktie des Auktionspioniers Ebay zu niedrig bewertet zu sein. Jedenfalls verglichen etwa mit dem Konkurrenten Amazon. Der hat derzeit ein dreimal höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis als Ebay. Aber dies hat seinen Grund. Der Kauf der Ebay-Aktien birgt nämlich einige Risiken. Nicht zuletzt dank Skype.

Wenn sich Geschichte wiederholt, lernt Ebay mit der Tochter Skype gerade eine bittere Lektion in Sachen Internet. Merke: Der nächste Hype wartet schon um die Ecke, und dein Held von gestern ist dein Problem von morgen.

Ironischerweise sind es ausgerechnet die ehemaligen Skype-Geldgeber, die den Web-Telefondienst Ende 2005 für 2,6 Milliarden Dollar an Ebay verkauften und jetzt den Skype-Konkurrenten Jaxtr finanzieren. Denn die junge Firma macht genau das, womit auch Skype groß geworden ist – sie bietet ihre Telefon-Dienstleistung umsonst an. Und Jaxtr bietet sogar noch Anonymität, die vor lästigen Werbeanrufen schützt. Wir erinnern uns: Mit dem Verkauf von Telefonnummern an Werber wollte Ebay das Geld für den Skype-Kauf wieder einspielen.

Die Geiz-ist-geil-Mentalität im Internet-Telefoniemarkt, gepaart mit ausufernder Konkurrenz, konterkariert alle Versuche von Ebay, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer mit sanftem Druck zu erhöhen. Seit dem Start im März soll der Nutzerkreis von Jaxtr schon auf eine Million gewachsen sein.

Das ist vordergründig nichts, verglichen mit den 220 Millionen Nutzern von Skype. Aber leider sind auch hier große Zahlen nur Schall und Rauch. „Die Aktivierung ist bei weitem nicht so, wie wir es erwartet haben“, sagt Ebay-Chefin Meg Whitman. Sprich: Die Leute quatschen gerne auf Skype umsonst, aber ungerne gegen harte Währung mit externen Telefonanschlüssen, sei es Festnetz oder Mobilfunk.

Da kommt es mehr als ungelegen, wenn auch noch das gesamte Skype-Netzwerk fast zwei volle Tage ausfällt wie jüngst geschehen. Ein Privatkunde, der umsonst telefoniert, nimmt das vielleicht noch hin. Wer aber sein Unternehmen auf Skype umgestellt hat, der sucht spätestens jetzt wieder nach einer Alternative.

Eine schwierige Situation, zumal sich Whitman auch noch in einem anderen Dilemma befindet. Der Kaufpreis, der Ende 2005 geflossen ist, kann sich noch erhöhen. Rund 60 Prozent der Aktionäre wählten damals eine Zahlungs-Option aus Ebay-Aktien und einer verringerten Barkomponente für ihre Anteile. Werden bestimmte Ziele erreicht, wird für diese Aktionäre noch einmal eine erfolgsabhängige Prämie von 1,2 bis maximal 1,5 Milliarden Dollar fällig. Und zwar 2008 oder 2009, wie Ebay selber einräumt.

Da kann man es drehen und wenden, wie man will: Entweder Skype wird doch noch ein Riesenerfolg, dann steigt der Kaufpreis weiter. Oder Skype wird ein Flop – dann wird es erst recht teuer für Ebay.

Das florierende Basisgeschäft der Auktionsplattformen und der rentable Finanzdienst Pay-Pal werden so oder so für einen Ausgleich sorgen müssen. Allerdings: Hier liegt Google auf der Lauer. Viele ehemalige Ebay-Verkäufer locken mittlerweile per Google-Textanzeige die Kunden direkt auf ihre Webseiten, statt auf Ebay zu verkaufen. Und Googles Bezahldienst „Checkout“ hat begonnen, aggressiv im Revier von Pay-Pal-Kunden zu wildern. Im Juni eskalierten die Kämpfe dermaßen, dass Ebay für einige Tage seine gesamten Anzeigen bei Google zurückzog. Ebay kauft immerhin Zigmillionen „Keyword-Anzeigen“ jedes Jahr, weshalb Google noch einmal einlenkte.

Aber wer weiß, wie lange. Bis jetzt jedenfalls hat Google noch nie einen Fisch wieder von der Angel gelassen. Für Investoren heißt das: vorerst lieber etwas vorsichtiger sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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