Inside: Ebay
Fehlgriff kaschiert

Warum Ebay vor zwei Jahren 2,6 Milliarden Dollar für Skype zahlte, ist nie überzeugend erklärt und wohl auch von niemandem richtig verstanden worden. Das führende Internet-Auktionshaus legte sich einen Anbieter von Software für Internet-Telefongespräche zu, der viele Nutzer, aber kaum nennenswerte Erlösen und beträchtliche Verlusten aufwies. Geändert hat sich daran seither nichts.

PORTLAND. Gründer Niklas Zennström gab jüngst nach seinem Rücktritt zu, dass sich der erwartete Erfolg, für den Ebay tief in die Tasche griff, nicht eingestellt hat. Mit einer Abschreibung von 1,43 Milliarden Dollar passte Ebay ihre Bilanz den Realitäten an.

Das Unverständnis der Anleger in den Sinn der Skype-Akquisition mag dazu beigetragen haben, dass sich die kühnen Erwartungen des Ebay-Managements für die Verbindung nie großartig im Aktienkurs niederschlug. Analysten haben den Lapsus bereits als Einmalposten abgebucht, der für die Beurteilung der Geschäftslage keine Bedeutung hat. Sie rechnen mit einer Zunahme des Reingewinns ohne Einmalposten von 24 auf 33 Cents pro Aktie.

Ebays Kerngeschäft sieht in der Tat solide aus. Ebays durchschnittliche Erlöse pro Listing hat kräftig zugenommen. Denn das Auktionshaus legt mehr Gewicht auf das Wachstum bei den Einnahmen als auf die Zunahme des auf ihrer Plattform umgesetzten Warenwertes.

Das florierende Geschäft der Zahlungstochter Paypal und Um-rechnungsgewinne durch den schwachen Dollar dürften ebenfalls dazu beitragen, die Verluste aus der Skype-Akquisition zu kaschieren. Gleichwohl ist der Milliardenirrtum schwerwiegend. Was hat sich Ebay-Chefin Whitman, auf die seit Jahren Lobeshymnen gesungen werden, dabei gedacht? Dass sich nicht automatisch Synergien ergeben, wenn man eine Internet-Firma mit einer anderen verheiratet, hätte sie sich denken können.

Dass Internetfirmen gern aufs Glatteis gehen, wenn ihnen das Geld in Tasche klingelt, hat Tradition. Man denke nur an AOL und Time Warner oder an Yahoos Akquisition von Geocities für 4,7 Milliarden Dollar. Der Pionier für Sozialnetzwerke verschwand danach sang- und klanglos im Gestrüpp des Internetportals. Dass zur Zeit der Skype-Übernahme mehrere Internet-Firmen auf Einkaufstour waren und Konkurrenten von AOL über Google und Microsoft bis Yahoo die Internet-Telefonie entdeckt hatten, ist auch keine Begründung. Ebay kostet das Vergnügen den gesamten freien Cashflow eines Quartals. Den Aktionären wäre eine Dividende lieber gewesen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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