Inside: Electronic Arts: Neuer Chef, alte Baustellen

Inside: Electronic Arts
Neuer Chef, alte Baustellen

Electronic Arts holt seinen früheren COO John Riccitiello aus der Diaspora zurück und setzt ihn an die Unternehmensspitze. Kein Zweifel: Der Computerspiele-Riese hat Fett angesetzt und steht vor einer Neuorientierung seiner gesamten Strategie.

DÜSSELDORF. Fitness-Trainer Riccitiello muss beim erfolgverwöhnten Marktführer die Schlagzahl spürbar erhöhen, um kommendem Wettbewerbsdruck Stand zu halten. Einiges spricht dafür, dass er bei EA das fortsetzen wird, was er während der vergangenen zweieinhalb Jahre auch getan hat: Firmen kaufen. Riccitiello hatte im kalifornischen Silicon Valley einen Private-Equity-Fund für Gaming-Investments mit gegründet und geleitet.

Dealmaker Riccitiello hatte während seiner ersten Amtszeit bei EA den Umsatz von 670 Millionen Dollar auf knapp 3 Milliarden Dollar gehievt, nicht zuletzt durch taktische Akquisitionen. Der Zeitpunkt ist günstig, damit fortzufahren. An der Schwelle zu einer neuen Generation von Hochleistungs-Videospielkonsolen wird sich der gesamte Softwaremarkt konsolidieren. Wer nicht genug finanzielle Reserven hat, um die Millionen Dollar teuren Spiele zu entwickeln, wird untergehen oder muss einen Partner finden. Und wer sonst hätte noch das Geld dafür, wenn nicht EA?

Gewiss, da wäre zum Beispiel Microsoft. Aber da fangen auch schon die Kopfschmerzen für den neuen CEO an. EA ist längst nicht mehr alleine auf Einkaufstour. Microsoft hat Gaming – vor allem Spielekonsolen und Online – zum strategischen Geschäftsfeld erhoben. Schon 2002 hat der Riese für 375 Millionen Dollar die britische Firma Rare übernommen, 2006 schnappte er sich die Firma Lionhead des Starentwicklers Peter Molyneux. Gegen harte Konkurrenz von EA und der französischen Ubisoft, heißt es im Markt. Und der Gigant aus Redmond hat keine Berührungsängste, wenn es um Marktanteilsgewinne geht: Rare produziert immer noch Spiele für eine Konsole des Erzrivalen Nintendo.

Mit dem Kauf von Jamdat für 680 Millionen Dollar konnte EA zuletzt den Rückstand in Markt der Spiele für Mobiltelefone aufholen. Auf eine sinnvolle Verwertung wartet aber noch die 20-Prozent-Beteiligung am französischen Spiele-Riesen Ubisoft. Sie könnte als Tauschwährung für andere Einkäufe dienen oder das erste Ziel für den Einsatz der rund 2,5 Milliarden Dollar in der EA-Kasse sein. Riccitiellos Fond Elevation Partners soll bereits 2005 seine Fühler Richtung Paris ausgestreckt haben.

Doch auch dann blieben noch Baustellen genug. Dürftig aufgestellt ist EA in Asien – einschließlich Japan, der zweitgrößten Gaming-Nation der Welt. Diese Schwäche hat EA bislang nicht einmal ansatzweise in den Griff bekommen. Der Regionalumsatz fiel im Weihnachtsquartal 2006 weiter um 19 Prozent auf irrelevante 61 Millionen Dollar. Hier muss Riccitiello handeln. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Microsofts anhaltend massivem – wenn auch noch wenig erfolgreichen – Engagement.

Die größte Herausforderung liegt aber im Onlinegeschäft. Hier zieht Microsoft mit Xbox live langsam an der Konkurrenz vorbei, und Rivale Vivendi Universal besetzt mit „World of Warcraft“ das Genre der Online-Spiele für mehrere Spieler. Die Kunden kaufen Spiele oder Premiumdienste per Internet, und sie akzeptieren Werbe-Einblendungen in Onlinespielen. Nirgendwo ist EA in der Top-Position. Die größten Akquisitionen in diesem Anzeigenmarkt sind jüngst Microsoft und Google gelungen.

Riccitiello könnte aus seiner Zeit als Investment-Manager interessante Ideen für kleine, aber feine Akquisitionen im Internetbereich mitbringen, die EA den Anschluss an die Online-Welt sichern könnten. Besser gesagt: Er sollte sie haben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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