Inside: EM Sport Media
Garantiert gute Unterhaltung

Für die beste Unterhaltung sorgen nicht die Fernsehkanäle der im Münchener Medienvorort Unterföhring angesiedelten TV-Stationen. Die mit Abstand interessantesten Geschichten schreiben die Firmen selbst. Nach dem Bezahlsender Premiere und Pro Sieben Sat 1 ist es jetzt der Rechtehändler EM Sport Media, der die Branche ins Staunen bringt.

MÜNCHEN. Sei es der unendliche Überlebenskampf des Bezahlkanals Premiere, die spektakulären Eigentümerwechsel bei der TV-Kette Pro Sieben Sat 1 oder die vielen Wendungen in der Geschichte des Rechtehändlers EM.TV: Stets passieren Dinge, die sich Außenstehende allenfalls im Film vorstellen können.

Nicht anders war es an diesem Mittwoch, als der ehemalige Medienmogul Leo Kirch seinen Einstieg bei EM Sport Media ankündigte, der früheren EM.TV. Als das Imperium von Kirch im Jahr 2002 zerbrach, konnte sich niemand vorstellen, dass der kranke Mittsiebziger in Unterföhring noch einmal eine tragende Rolle spielen würde. Doch genau das ist jetzt geschehen.

Genauso ist es mit EM Sport Media. Mit dem Ende des Börsenbooms 2001 schien auch das Aus für den einstigen Star des Neuen Marktes besiegelt. Das Medienunternehmen stand kurz vor der Pleite, weil es eine Wandelanleihe nicht zurückzahlen konnte.

Doch Vorstandschef Werner Klatten gelang es, die Firma zu sanieren und neu auszurichten: Das schwächelnde Geschäft mit Kinderfilmlizenzen steht derzeit zum Verkauf, übrig bleibt die Sportsparte mit dem TV-Sender DSF, dem Online-Angebot Sport 1 und dem Spielproduzenten Plazamedia.

Mit dem Einstieg von Kirch ist klar, dass dies aber nicht lange so bleiben wird. Denn im Zuge von Kirchs Engagement hat EM auch einen Anteil am Schweizer Medienunternehmen Highlight erworben, dem Inhaber der Sportvermarktungsagentur Team und des Münchener Filmproduzenten Constantin. Schon wird spekuliert, dass unter der Regie von Kirch ein neues Medienimperium entstehen könnte. Denn es scheint nur eine Frage der Zeit, bis EM bei Highlight die Mehrheit übernimmt.

Eins steht allerdings jetzt schon fest: EM wird künftig wieder eine größere Rolle in der deutschen Medienbranche spielen als in den vergangenen Jahren. Da war das Unternehmen schon froh, nicht endgültig in den roten Zahlen unterzugehen.

Nun bieten sich allerdings zahlreiche Möglichkeiten. Einerseits könnte EM das Sportgeschäft kräftig ausbauen. Denn Team hat zum Beispiel die Fußball-Champions-League im Angebot. Damit haben die Münchener automatisch einen direkten Draht zum europäischen Fußballverband Uefa.

Dazu kommt: Durch die Verbindung mit Highlight kann EM nun die gesamte Wertschöpfungskette abdecken, vom Rechtehändler über die TV-Station bis zur Online-Verwertung. Auf einmal gilt EM auch wieder als ernsthafter Kandidat, um die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga zu kaufen.

Andererseits könnte das Unternehmen aber auch das Filmgeschäft rund um den renommierten Produzenten Constantin ausbauen. Das böte die Chance, künftig neben dem Sport eine zweite starke Sparte zu haben.

Klar ist aber auch: Leo Kirch ist immer für Überraschungen gut, obwohl er bald 81 Jahre alt wird. Insofern ist jede andere Wendung nicht ausgeschlossen. Wie im Film eben, nur spannender.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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