Inside: Freenet
Frommer Wunsch

Seit es im Übernahmepoker um den Telekomanbieter Freenet ruhig geworden ist, fällt der Aktienkurs. Firmenchef Spoerr versucht gegenzusteuern, etwa indem er das DSL-Geschäft zum Verkauf anbietet. Doch der Schuss kann nach hinten losgehen.

Es ist ein Pokerspiel, das seinesgleichen sucht. Auf der einen Seite des Tisches sitzt der Internetdienstleister und Mobilfunker Freenet. Ihm gegenüber haben die Konkurrenten United Internet (UI) und Drillisch Platz genommen und setzen den Gegner unter Druck.

Die Situation ist verfahren. Drillisch und United Internet haben knapp 25 Prozent an Freenet erworben. Während Drillisch auf das

Mobilfunk–Geschäft schielt, hat UI ein Auge auf die DSL-Kunden geworfen. So weit, so gut. Doch bis heute hat es kein offizielles Übernahmeangebot gegeben. Die Übernahmegespräche mit UI sind gescheitert, angeblich, weil UI- Chef Ralph Dommermuth zu viele Nachforderungen gestellt hat.

Seitdem herrscht Stillstand, geht es mit der Freenet-Aktie bergab. Weil das auf Dauer schrecklich lähmend ist, gibt es auf Freenet-Seite im Monatsrhythmus verzweifelte Versuche, Bewegung in die Sache zu bringen. Der jüngste: Freenet-Chef Eckhard Spoerr hat sein DSL-Geschäft zum Verkauf gestellt – eine durchaus charmante Idee.

Im DSL-Geschäft ist Freenet mit 1,3 Millionen Kunden und einem Marktanteil von sieben Prozent zum Leben zu klein und zum Sterben zu groß. Ein Verkauf würde das Problem lösen und Mittel in das Unternehmen spülen, mit denen das übrige Geschäft gestärkt werden könnte. Da UI nach Ansicht von Spoerr nicht tief genug in die Tasche greifen will, soll der Wert nun der Markt einen fairen Wert ermitteln. Doch der Plan von Spoerr hat einen Haken. Es ist gut möglich, dass der Markttest am Ende einen geringeren Wert für das DSL-Geschäft ergeben wird als die von Spoerr erhofften rund 520 Millionen Euro. Ein paar Zahlenspiele: Interessant ist das DSL-Geschäft von Freenet wegen der Kunden. Derzeit zahlen Firmen wie UI nach Angaben von Experten im Schnitt etwa 200 Euro pro Neukunde. Um die 1,3 Millionen Freenet-Kunden organisch zu „erobern“, müsste ein Anbieter also 260 Millionen Euro berappen.

Spoerr dagegen hofft auf umgerechnet 400 Euro je Kunde. Solche Preise wurden zwar in der Vergangenheit durchaus gezahlt, teilweise lagen diese sogar noch höher. Aber die Frage stellt sich, ob ein Bieter bereit sein wird, einer Freenet, die ihr DSL-Geschäft unter Druck verkaufen muss, einen derartigen „Goodwill“ zu überweisen.

Zweifel sind angebracht. Zum einen ist der Kurs von Freenet als Indikator für den Wert des Unternehmens seit Oktober 2007 um über 40 Prozent gefallen. Alleine das dürfte den Preis für die DSL-Sparte drücken. Zum anderen wird sich das Neukundengeschäft von Freenet nach Ansicht von Analysten verlangsamen. Der Wert des DSL-Geschäfts dürfte tendenziell sinken.

Hinzu kommt: Die Interessenten stehen nicht gerade Schlange. Der Rivale Arcor hat abgewinkt, ebenso Telecom Italia, hier zu Lande mit den Marken „Alice“ und „Hansenet“ aktiv. Versatel könnte das Angebot spannend finden, aber dort sitzt UI mit im Boot. Bleibt eine Telefonica – und die Erkenntnis, dass der Plan von Freenet-Chef Spoerr am Ende vielleicht nicht mehr als ein frommer Wunsch gewesen sein wird.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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