Inside: Freenet
In der Heuschrecken-Falle

Bei dem Internet- und Mobilfunkdienstleister Freenet revoltieren die Aktionäre gegen das Management. Auf den ersten Blick scheint die Erklärung einfach: Gut zwei Drittel von Freenet gehören Finanzinvestoren. Auf den zweiten Blick ergibt die Forderung der „Heuschrecken“ aber auch einen strategischen Sinn.

DÜSSELDORF. Finanzinvestoren sind dafür bekannt, sich aktiv in die Unternehmensführung einzumischen. Derzeit sehen sie die Möglichkeit, durch eine Zerschlagung Freenets Gewinne mitnehmen zu können.

Freenet besteht aus drei Geschäftsfeldern: Der Konzern vermietet Internet-Anschlüsse, betreibt ein Internet-Portal und vertreibt Mobilfunkverträge. Die Investoren wollen das Geschäft mit den Internet–Anschlüssen verkaufen, weil sich dafür derzeit hohe Summen erzielen lassen. So hat die Deutsche Telekom für ihre französische Web-Tochter „Club Internet“ knapp 500 Mill. Euro und damit 775 Euro pro Kunde erzielt. Für Freenet hieße das, sie könnten für das Internet-Geschäft rund 900 Mill. Euro bekommen. Das ist ein stattlicher Betrag für ein Unternehmen mit einem Konzernumsatz von zwei Mrd. Euro.

Vorstand-Chef Eckhard Spoerr allerdings wehrt sich gegen das Ansinnen. Er hat statt dessen Übernahmeangebote für Freenet als Ganzes eingefordert. Seine Weigerung dürfte aber ohne Folgen bleiben: Es wird sich vermutlich kein Käufer finden, der sich neben den begehrten Internet-Kunden auch noch das Geschäft mit Mobilfunkdienstleistungen ans Bein binden will.

Freenet hat kein eigenes Netz, sondern agiert im Mobilfunk als Zwischenhändler von Netzbetreibern wie Vodafone und T-Mobile. Mit zunehmendem Preiskampf in der Branche schrumpfen aber die Margen für die Zwischenhändler. Langfristig wird vermutlich nur ein großer Anbieter überleben.

Der hätte Freenet heißen können – wenn es Spoerr gelungen wäre, sich durch Zukäufe zu vergrößern. Aber der Konzernchef hat sich mehrere Gelegenheiten durch die Lappen gehen lassen. So heißt der dominante Spieler nun Debitel und kommt auf einen Marktanteil von gut 60 Prozent. Das Beste für Freenet wäre es deshalb tatsächlich, sich jetzt vom Internet-Geschäft zu trennen und die Erlöse zu investieren, um den Mobilfunkbereich umzubauen.

Einen Umbau hat Spoerr bereits angedeutet: Er will im Mobilfunk unabhängiger von den Netzbetreibern werden und seinen Kunden über eine eigene technische Plattform neuartige Angebote unterbreiten. Dieses Geschäft, das im Fachjargon MVNO heißt, bietet höhere Margen als die reine Wiederverkäufer-Tätigkeit, bei der die Verkäufer stark an die Vorgaben der Mobilfunknetzbetreiber gebunden sind.

Soweit so gut. Das Modell von Zerschlagung und Umbau besitzt allerdings einen Haken: Freenet hat gerade erst aufwendig sein Internet-Geschäft mit dem Mobilfunk verschmolzen. Dahinter stand der Glaube, dass Kunden künftig alle Telekommunikationsdienste aus einer Hand haben wollen. Die Telekom-Branche aber ist schnelllebig. Mittlerweile mehrt sich die Zahl derer, die es nicht mehr für nötig halten, dass Unternehmen alle Dienste unter ihrem Dach vereinen müssen, um kombinierte Angebote zu machen. Freenets Schicksal ist es, dass die Groß-Aktionäre offenbar genauso denken.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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