Inside: Freenet
Wer führt was im Schilde?

Es scheint alles ganz einfach: Der Internet- und Mobilfunkanbieter Freenet verkündet, den Konkurrenten Debitel übernehmen zu wollen und so zur Nummer drei unter den deutschen Mobilfunkern aufzusteigen. Zugleich trennt sich das Unternehmen von seinem Breitbandgeschäft und bringt damit die Konsolidierung in dem zersplitterten Markt voran. Doch leider ist es nicht so einfach, wie es scheint.

Sollte sich Freenet-Chef Eckhard Spörr tatsächlich mit dem Finanzinvestor und Debitel-Eigentümer Permira auf eine Übernahme verständigen, wäre dies ein Affront gegen seine Großaktionäre und Konkurrenten United Internet und Drillisch: Sie sind über eine gemeinsame Holding mit gut 25 Prozent an Freenet beteiligt und haben andere Pläne.

Beide Unternehmen wollen bei den sich anbahnenden Übernahmen in ihren Branchen eine führende Rolle einnehmen. United Internet hat es deshalb auf das DSL-Geschäft Freenets abgesehen, Drillisch auf die Mobilfunksparte. Kauft Spörr aber Debitel und übergeht United Internet beim Verkauf der DSL-Sparte, wären die beiden Großaktionäre die Gelackmeierten: Sie stünden weiterhin alleine da. Das würden sie kaum dulden und versuchen, Spörr nach der Hauptversammlung im Juni abzusetzen. Unklar ist allerdings, ob sie auf die Unterstützung des Investors Vatas zählen können. Die Gesellschaft hat vor einigen Tagen seine Anteile an Freenet verkauft, hält aber Optionen auf gut 25 Prozent.

Spörr weiß das, er hat den Druck seiner unbequemen Aktionäre in der Vergangenheit häufig genug zu spüren bekommen. Er scheint noch etwas anderes im Schilde zu führen – aber was?

In der Branche wird spekuliert, Spörr wolle durch die Verhandlungen mit Permira United Internet und Drillisch unter Druck setzen, schnell ein eigenes Angebot für Freenet abzugeben. Dieses würde sich wegen rechtlicher Vorschriften momentan auf gut 17 Euro belaufen.

Für den Freenet-Chef wäre das lukrativ: Spörr besitzt laut Branchenkreisen im Falle einer Übernahme Optionen auf rund fünf Millionen Freenet-Anteile, die mit gut elf Euro bewertet sind. Pro Aktie würde er somit mindestens sechs Euro verdienen – in der Summe stattliche 30 Millionen Euro.

Für United Internet-Chef Ralph Dommermuth und Drillisch-Boss Paschalis Choulidis käme der Zeitpunkt ungelegen. Sie müssten rund 70 Prozent mehr bezahlen als Freenet momentan an der Börse wert ist. Angesichts der Lage auf den Finanzmärkten dürfte besonders Choulidis Probleme bekommen, den Deal zu finanzieren. Dennoch zeigte sich Choulidis kürzlich bei einem Abendessen, nur wenige Stunden nach Bekanntgabe der Freenet-Pläne, entspannt und gut gelaunt.

Beobachter halten deshalb noch eine andere Version für denkbar, mit der alle Seiten leben können: Spörr kauft demnach Debitel und bleibt dennoch im Amt; Dommermuth bekommt die DSL-Sparte und Choulidis die knapp 25 Prozent an Freenet, die Permira im Zuge des Debitel-Verkaufs erhalten soll.

hoppe@handelsblatt.com

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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