Inside: Google
Monokultur sucht Perspektive

Jugendlich, smart und unbekümmert - so sieht sich der Börsenliebling Google selbst. Für ganze Branchen ist die führende Internet-Suchmaschine dagegen der große Angstgegner geworden.

PORTLAND. Medienkonzerne sorgen sich, dass Google mit ihrer Schlüsselstellung in der Internet-Generation künftig den Konsum von Information und Unterhaltung und der damit verbundenen Werbung dominieren könnte. Telekomfirmen fürchten, dass ihnen Google mit einem eigenen Internet-Handy das Wasser abgräbt. Agenturen haben Angst, dass Kunden ihre Werbung über Googles Auktionssystem schalten könnten und selbst Microsoft treibt die Furcht vor kostenloser Google-Software aus dem Internet um.

Für ein noch junges Unternehmen mit dem Slogan „Tue nichts Böses“ ist das eine bemerkenswerte Leistung. Fast täglich werden neue Möglichkeiten entdeckt, wie Google mit ihrer gut geölten Geldmaschine die Geschäftswelt aufrollen könnte. In wenigen Jahren stieg ihr Umsatz auf über 10 Mrd. Dollar. Eine Nettogewinnmarge von fast 30 Prozent lässt andere Hightech-Firmen vor Neid erblassen.

Obwohl Wettbewerber wie Yahoo und Microsoft keine Kosten und Mühen scheuen, um ihre Position bei Internetsuchen zu verbessern, ist Google nicht zu stoppen. Im Februar stieg ihr Anteil an Internet-Suchen laut Netratings auf knapp 56 Prozent und damit auf das Doppelte der Nummer Zwei Yahoo; Microsoft erreichte nur 9,6 Prozent. Kein Wunder also, dass der Google-Kurs trotz der jüngsten Abschwächung mit gut 445 Dollar und einem KGV von 45 immer noch saftig ist.

Suchgebundene Werbung ist das Gold des Internets und Google versteht es wie keine andere Firma, dieses Gold mit einem ausgefeilten System der Verbindung von Suchergebnissen und Anzeigen zu heben. Darüber wird aber meist vergessen, dass die mittlerweile zahlreichen anderen Angebote des Unternehmens bislang mehr bellen als beißen. Weder als Portal noch als E-Mail-Anbieter, Internet-Auktionshaus oder als Softwarequelle konnte Google die Platzhirsche verdrängen. Der Einstieg in den Verkauf von Radio- und Printwerbung enttäuscht bislang und die Übernahme der Videoplattform Youtube brachte wenig Neugeschäft, dafür aber eine Milliardenklage des Medienriesen Viacom.

Google will nicht von suchgebundener Werbung allein leben. Vielmehr sieht sie ihre Rolle als hocheffizienter Vermittler von gezielter Werbung überall dort, wo Information konsumiert wird, ob über das Internet, auf dem Handy oder in den herkömmlichen Medien. Aber in den meisten Nutzergemeinden auf dem Internet sind die Führungsrollen bereits besetzt und die Übertragung von Googles Plattform für den Verkauf von Werbung in den alten Medien ist problematischer als erwartet.

Das Geschäftsmodell von Youtube - kostenlose Videobeiträge von Millionen von Nutzern, die von Millionen Neugieriger betrachtet werden und sich mit Werbung verknüpfen lassen - ist ebenfalls kein Selbstläufer. Viele Beiträge sind urheberrechtlich geschützt und die Rechtsinhaber, wie zum Beispiel Viacom, finden Youtubes breite Nutzerbasis zwar attraktiv, wollen aber selber profitieren. Fachleute glauben zwar, dass sich Youtube-Mutter Google mit Viacom und anderen Medienkonzernen über Lizenzverträge einigen wird, aber die Scheibe, die dabei für die Suchmaschine übrig bleibt, dürfte dünner als erhofft ausfallen.

Google ist in vieler Hinsicht ein kulturelles Phänomen, aber geschäftlich eine Monokultur. Das spiegelt der Börsenkurs wieder nicht die ökonomischen Perspektiven.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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