Inside: IBM
Geglückte Frischzellenkur

Das 19. Jahrhundert neigte sich dem Ende zu, als ein Erfinder namens Herman Hollerith mit Lochkartenmaschinen die Informationsverarbeitung revolutionierte. Diese Technik wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Großrechnern und später vom Personal Computer abgelöst. Holleriths Firma, die International Business Machines (IBM), aber schaffte es immer, sich neuer Umgebung anzupassen.

Derzeit ist IBM schon wieder dabei, sich neu zu erfinden. Die IBM-Aktie entwickelt sich prächtig, ungeachtet aller Turbulenzen an den Finanzmärkten notiert sie auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Der Grund: Das Unternehmen schafft es bisher, sich von der abkühlenden US-Konjunktur weitgehend abzukoppeln, auch die mittelfristigen Perspektiven stimmen zuversichtlich.

Konzernchef Samuel Palmisano hat den IT-Riesen mit seinen fast 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz kräftig umgebaut und alte Zöpfe abgeschnitten. Er verkaufte etwa das PC-Geschäft und die Festplattensparte, in denen sich nur noch sehr mühsam Geld verdienen lässt. Die Bedeutung der Hardware, mit der das Unternehmen groß wurde, sinkt von Jahr zu Jahr.

Im Gegenzug baut Palmisano wachstumsträchtige Bereiche konsequent aus. Dazu zählt vor allem das Dienstleistungsgeschäft, das mittlerweile mehr als die Hälfte des Umsatzes und 40 Prozent des Vorsteuergewinns beisteuert. Der Konzernchef investierte zudem viel Geld in das Softwaregeschäft, das die höchsten Margen verspricht. Sechs der zwölf Firmen, die IBM im vergangenen Jahr zukaufte, sind in diesem Bereich aktiv. Anfang 2008 übernahm der Konzern zudem für fünf Milliarden Dollar einen kanadischen Anbieter von Anwendungen zur Analyse von Geschäftsabläufen. Damit stärkte sich das Unternehmen in diesem Wachstumssegment und verschärft den Wettbewerb gegen SAP und Oracle.

Software und Dienstleistungssparte spielen sich zudem geschickt die Bälle zu: Wer IBM-Programme installiert, braucht das Wissen der Berater. Umgekehrt nützt das technische Know-how dem Beratungsgeschäft.

Daneben richtete Palmisano den Konzern auch geografisch neu aus: Nur noch gut ein Drittel seiner Geschäfte tätigt das Unternehmen in den USA. Dafür ist IBM inzwischen stärker als seine Konkurrenten in Schwellenländern vertreten. In Märkten wie Malaysia, Südafrika und Venezuela erwirtschaftete IBM 2007 etwa ein Sechstel seines Umsatzes - bei durchschnittlichen Zuwachsraten von rund 20 Prozent. Dadurch ist das Unternehmen vergleichsweise gut für schlechtere Zeiten im Heimatland gerüstet.

Selbst wenn die Geschäfte nicht mehr so gut laufen sollten, muss das die Gewinne zumindest in diesem Jahr nicht sonderlich belasten: Mehr als 50 Prozent des jüngsten Ergebniswachstums gingen auf das Konto von Maßnahmen, die nichts mit dem operativen Geschäft zu tun haben, Einsparungen bei Pensionskosten und Steuern etwa. Künftig werden diese Effekte nicht mehr so stark durchschlagen, dann muss Palmisano an anderer Stelle nachlegen.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
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