Inside: Infineon
Ein Vater für ein krankes Baby

Wenn Peter Bauer sagt: "Infineon ist mein Baby" will der 48-Jährige damit wohl ausdrücken, wie sehr er mit dem Münchener Unternehmen verbunden ist. Seit 23 Jahren arbeitet der Ingenieur für Europas zweitgrößten Halbleiterhersteller, vor anderthalb Monaten hat der Aufsichtsrat Bauer zum Chef gemacht.

"Eine Berufung" sei das, meint der Schnauzbartträger, der die Begeisterung über seinen Aufstieg an die Konzernspitze nur mühsam verbergen kann.Doch der Grat, auf dem sich Bauer bewegt, ist schmal. Wenn es ihm gelingt, die frühere Siemens-Sparte innerhalb der nächsten zwölf Monate in die schwarzen Zahlen zu bringen, dann darf er die Höhenluft wahrscheinlich noch für weitere Jahre genießen. Scheitert der gebürtige Münchener aber, dann stürzt er ab - und mit ihm der gesamte Konzern. Wie ernst die Lage ist, zeigen die Zahlen vom ersten Quartal. Bei einer Milliarde Euro Umsatz fuhr die Firma einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro ein. Was fehlt, ist ein Erfolgserlebnis: Fast schon regelmäßig kracht Infineon in die roten Zahlen.

Bauer ist sich der Gefahr bewusst - und macht Tempo. Bereits vergangene Woche hat er eine Neuorganisation angekündigt. Aus zwei großen Bereichen werden fünf kleinere, aber stärker spezialisierte Sparten. So will der Manager erreichen, dass seine Mitarbeiter näher an die Kunden heranrücken und mehr verkaufen. Denn der Umsatz ist das Kernproblem: Infineon hat zwar gute Produkte, aber vor allem in der angeschlagenen Mobilfunksparte zu wenig Aufträge. Nach wie vor leidet das Geschäft unter der Pleite des Hauptkunden BenQ vor zwei Jahren. Allerdings: Bauer muss erst beweisen, dass sich die Restrukturierung lohnt. Der letzte Umbau liegt nur zwei Jahre zurück. Dazu kommt, dass Infineon nach der Abspaltung von Siemens Ende der 90er-Jahre schon einmal in mehrere Bereiche unterteilt war.

Daneben macht sich Bauer daran, ein Kostensenkungsprogramm aufzulegen. So etwas kennen die Mitarbeiter, denn schon in den vergangenen Jahren haben die Unternehmensberater regelmäßig den Konzern durchforstet. Einen dreistelligen Millionenbetrag will Bauer künftig pro Jahr weniger ausgeben. Die Sparpläne sorgen jedoch für Unruhe. Denn die Einschnitte werden nicht ohne einen Personalabbau unter den rund 30 000 Beschäftigten über die Bühne gehen.

Der dritte, aber kurzfristig wichtigste Punkt auf Bauers Agenda ist die Trennung von den Qimonda-Aktien. 77 Prozent der Anteile an seiner ehemaligen Speicherchipsparte hält Infineon noch. Weil Qimonda hohe Verluste schreibt, will Infineon die Beteiligung schnell loswerden. Schon seit Monaten sucht das Management Käufer - bislang erfolglos. Dabei ist der weltweit fünftgrößte Hersteller der so genannten Drams optisch billig: Die Marktkapitalisierung des in New York notierten Unternehmens liegt bei unter 900 Millionen Dollar.

Bauer weiß, dass der Qimonda-Verkauf die erste große Bewährungsprobe ist. Er wird alles daran setzen, sie zu bestehen - um sein Baby zu retten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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