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Inside: Intel: Intel-Chef: Auf wackeligem Posten

Es war nur ein dürrer Satz. Doch mit seiner Frage, ob Paul Otellini wirklich der richtige Mann an der Spitze von Intel sei, hat Wall-Street-Analyst Joe Osha jüngst eine hitzige öffentliche Diskussion los getreten.

MÜNCHEN. Der Banker von Merrill Lynch bezweifelt, dass Otellini den weltgrößten Chiphersteller aus seiner aktuellen Krise heraus führen kann. Dazu greife er einfach nicht hart genug durch, meint Osha. So deutlich hatte das bisher noch kein Analyst formuliert.

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Die in eine Frage verpackte Rücktrittsforderung sorgt für großen Wirbel, weil die Chefs des Halbleiterkonzerns aus dem Silicon Valley bis in die jüngste Zeit als nahezu unantastbar galten. Das verdankten sie gigantischen Wachstumsraten und stetig steigenden Gewinnen. Es gab einfach nicht viel zu meckern bei Intel. Immerhin hat der Konzern selbst dann noch klotzig verdient, als der Rest der Branche tief in den roten Zahlen steckte.

Doch die rosigen Zeiten sind für Intel vorbei. Im ersten Quartal brach der Gewinn um mehr als ein Drittel ein, selbst der Umsatz lag unter dem Vorjahr. Viele Beobachter sind überzeugt, dass Intel in den vergangenen Jahren entscheidende Entwicklungen verschlafen hat und sich das jetzt Zug um Zug auswirkt.

Ein Beispiel: Der Konzern ist noch immer stark abhängig vom Geschäft mit Computerherstellern. Vier von fünf PCs weltweit laufen mit Intel-Prozessoren. Sie sind das Hirn der Rechner, ohne Prozessoren geht nichts. Damit verdient Intel nach wie vor prächtig – in einem reifen Markt. In anderen Bereichen dagegen konnte die Firma trotz großer Ankündigungen kaum Fuß fassen. Das boomende Geschäft mit Handy-Chips teilen sich Firmen wie Texas Instruments oder Qualcomm. In der Unterhaltungselektronik spiel Intel bislang fast keine Rolle. Solche neuen Märkte braucht die Firma aber dringend, um wieder zu altem Wachstum zurück zu kehren. Dazu kommt, dass der kleine Rivale AMD Intel Marktanteile im Kerngeschäft abknöpft. Vor allem im Geschäft mit Großrechnern, so genannten Servern, sehen Experten AMD technologisch vor Intel.

Sicher: Dass einige Weichen offenbar falsch gestellt wurden, ist nicht Otellini alleine anzulasten. Schließlich steht er erst seit einem Jahr an der Spitze. Aber schon zuvor war er lange in Führungspositionen, zuletzt drei Jahre als Chief Operating Officer.

Wichtiges Detail am Rande: Otellini ist Intels erster Chef, der kein Ingenieur ist, sondern Betriebswirt. Als solcher hat der gebürtige Kalifornier Intel vor Jahresfrist umgebaut. Statt an einzelnen Produkten orientiert sich der Konzern nun an Kundengruppen. So gibt es jetzt Bereiche für Unterhaltungselektronik, Gesundheitswesen und mobile Anwendungen. Doch der Erfolg der Ausrichtung aufs Marketing lässt noch auf sich warten.

Als Antwort auf Kritiker wie Analyst Osha hat Otellini Ende vergangener Woche erstmals spürbare Einschnitte in Aussicht gestellt. Bis zum Sommer will er alle Sparten unter die Lupe nehmen. Zudem sollen die Ausgaben in diesem Jahr um insgesamt eine Milliarde Dollar sinken. Ein Feuerwerk an neuen Produkten soll im zweiten Halbjahr für zusätzliche Umsätze sorgen.

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Viel Zeit bleibt Otellini nicht. Denn Intel sieht sich höheren Erwartungen gegenüber als andere Firmen. Wenn das Geschäft nicht spätestens im Herbst spürbar anzieht, wird er sich an der Spitze von Intel kaum halten können.

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