Inside: Intel
Spieler sind bessere Kunden

Wer den Computer lediglich für Büroarbeiten nutzt, gibt sich bereits mit wenig Leistung zufrieden – Hauptsache, der Preis stimmt. Eher gegenteilig verhalten sich die Spieler: Deren Rechner müssen um jeden Preis stets schneller, stärker, besser werden. Marktführer Intel profitiert sehr davon und forciert den Absatz nun auch selbst.

DÜSSELDORF. Das Geschäft mit PC-Prozessoren ist mühselig, ja oft deprimierend. Alle paar Monate werden die Computer noch ein bisschen schneller, sind sie noch ein bisschen üppiger ausgestattet. Kaum eine andere Branche hastet so energisch nach der nächsten Innovation. Und was machen die Kunden? Sie sparen. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts IDC ist der Durchschnittspreis für einen PC im zweiten Quartal 2007 auf 611 Euro gesunken – zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Qualität der Geräte ist gleichzeitig gestiegen.

Für Intel, den weltgrößten Chiphersteller, sind das keine guten Aussichten. Seine Produkte sind inzwischen so leistungsstark, dass es dem Kunden kaum noch beizubringen ist, warum er sich eigentlich einen neuen PC kaufen soll. Vorbei die Zeiten, in denen endlose Warteschleifen die Leute fast in den Wahnsinn trieben. Heute sind die Rechner für die allermeisten Anwender so überdimensioniert, dass sie mühelos fünf Jahre lang bis zur nächsten Aufrüstung warten können. Auch dann aber sind die Käufer nicht bereit, auch nur zehn Euro mehr für das Rechenmonster auszugeben.

Der Chiphersteller könnte einem also fast Leid tun, wenn es da nicht einen Kunden gäbe, der sich völlig anders verhält: der Spieler.

Der Spieler ist der Hauptverantwortliche für den Fortschritt in der Computerchipbranche. Er langweilt seinen Computer nicht mit Textverarbeitung und Tabellenkalkulation – Anwendungen, die seit Jahren ausgereift sind. Der Spieler füttert seinen Computer stattdessen mit Programmen, die selbst den stärksten Rechner in die Knie zwingen. Spieler sind diejenigen Kunden, die spätestens nach sechs Monaten stirnrunzelnd vor dem Bildschirm sitzen und sagen: „Zu langsam. Ich muss zum Händler.“

Intel hat die Spieler ausgesprochen gern. Nach einiger Zeit des Beobachtens umarmte der Konzern diese Kunden schon 1997. Damals wurde die sich extrem seriös gebende PC-Branche von der Werbung für den neuen Pentium II Prozessor überrascht: „PC. It’s where the Fun is.“ Intel-Chef Andy Dunn sagte: „Kein Kunde ist anspruchsvoller als ein 14-jähriger Junge.“

Heute sind die Jungen von damals 24, und noch immer geben sie ihr Geld mit beiden Händen für ihr Hobby aus. Während die meisten PC-Käufer inklusive Monitor selten mehr als 1 000 Euro anlegen, scheuen Spieler nicht davor zurück, diese Summe für Einzelteile auszugeben. Dabei wissen sie schon an der Kasse, dass ihr Glück nur von kurzer Dauer ist. Denn so lautet die Grundregel im Spielemarkt: Das nächste Game will immer mehr, als Dein Rechner kann. Doch was zählt, ist der Moment. Aus der Werbung für den neuen, 1050 Euro teuren Prozessor Intel Duo Core Extreme: „So haben Sie die Spielwelt noch nie erlebt.“

Die Beziehung zwischen Intel und der Spieleindustrie ist so eng, dass der Chipkonzern vor wenigen Tagen den Schritt auf die andere Seite wagte. Mit Havok kaufte man einen Software-Entwickler, der weltweiten Ruhm für die Programmierung von so genannten Physics-Engines erworben hat. Die physikalisch korrekte, naturgetreue Abbildung der Realität gilt als der heilige Gral der Spielebranche – und ist genau das, was Unmengen an Rechenkapazität frisst.

Intel will nun mit der kleinen Firma noch enger zusammenarbeiten, um die Fähigkeiten seiner Chips noch besser auszunutzen. Dies, so das Kalkül, führt zu noch fantastischeren Spielen, die wiederum noch mehr Spieler anlocken. Vor dem Spielen müssen diese sich dann nur die richtigen Hochleistungsprozessoren kaufen. Die von Intel.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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