INSIDE: ITV
Warten auf das Happy End

Die vergangenen zwei Jahre des größten britischen Privatfernsehsenders ITV böten saftigen Stoff für eine TV-Serie, eine Art „Dallas“ der Medienbranche.

In der ersten Staffel von "Der Sender" erlebt der Zuschauer, wie Heuschrecken angreifen. Doch Senderchef Charles Allen schlägt sie in die Flucht. Dafür jagen ihn - dramatische Wende - die undankbaren Aktionäre aus dem Amt. Einschaltquoten und Werbeeinnahmen gehen in den freien Fall über. Ist das das Ende?

Mit einem Paukenschlag beginnt die zweite Staffel: Der Kabelfernsehkonzern Virgin Media mit dem schillernden Großaktionär Richard Branson will den führungslosen Sender schlucken. Doch da greift sich James Murdoch, Sohn des Tycoons Rupert, ein Aktienpaket von 17,5 Prozent. Als Retter rauscht sensationell der Chairman des Erzkonkurrenten BBC heran, Michael Grade. Der TV-Veteran will den Sender mit besseren Programmen zu alter Größe zurückführen. Wird es ihm gelingen?

Die dritte Staffel beginnt voller Hoffnung. Erst zwingen die Aufsichtsbehörden Murdoch, den ITV -Anteil auf 7,5 Prozent zu reduzieren. Dann legt Grade ermutigende Zahlen für 2007 vor. Der Abwärtstrend bei den Werbeeinnahmen ist gebrochen. Und erstmals seit 14 Jahren hat die Sendergruppe die Einschaltquoten stabilisiert. 23 Prozent Marktanteil hat sie derzeit. Zugewinne der digitalen Spartenkanäle machen die anhaltenden Verluste des Flaggschiffs ITV1 wett.

Doch es bleibt mühsam. Die ITV -Gruppe hat auch 2007 Umsatz verloren, etwa fünf Prozent auf knapp 2,1 Mrd. Pfund (2,7 Mrd. Euro). Der Reingewinn fiel um 38 Prozent auf 138 Mill. Pfund. Der Aktienkurs ist mit 65 Pence nur halb so hoch wie die 130 Pence, die die Finanzinvestoren vor zwei Jahren zahlen wollten. Der aktuelle Börsenwert beträgt 2,5 Mrd. Pfund - Virgin Media hatte 4,7 Mrd. Pfund geboten. Manch ein Aktionär weint diesen Angeboten nach.

Der Aktienkurs drückt - berechtigte - Skepsis aus. Unter dem absehbaren Konjunkturknick in Großbritannien wird ITV als führendes Massen- Werbemedium schwer leiden. Bricht der ganze Werbemarkt ein, dann wird es dem Sender wenig nützen, dass er seine Marktanteile stabilisiert hat. Mit ITV1 steht und fällt noch immer alles. Das Internet-Geschäft, das Allen ausgebaut hatte, ist unerheblich. Die Produktionsfirmen, auf die Grade setzt, brachten zuletzt noch kein Wachstum. Der weltweite Umsatz mit Programminhalten sank 2007 um elf Prozent auf 564 Mill. Pfund.

Wie also endet die dritte Staffel der Serie "Der Sender"? Vielleicht kommt das Happy End doch dank eines Retters von außen. Murdoch darf nicht, die Finanzinvestoren halten sich zurück, und Virgin Media hat mit gewaltigen Schulden zu kämpfen. Am besten würde ITV unter das Dach eines europäischen Fernsehkonzerns passen. Die RTL-Gruppe hat ihr Interesse nie verhohlen. Mit dem Kanal "Five" ist sie derzeit auf dem großen, kreativen britischen TV-Markt eine Randerscheinung. Schade, dass die Konzernmutter Bertelsmann derzeit wohl kaum die Mittel für eine Übernahme findet.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%