Inside: KPN
Ewiger Übernahmekandidat

Aus der Übernahme des Telekomanbieters Telia Sonera durch France Télécom ist zwar nichts geworden. Die letztlich zu niedrige Offerte der Franzosen hat die Branche dennoch wach gerüttelt: Sie zeigt, dass die Konsolidierung in Europa näher rückt. Dabei taucht stets derselbe Name auf - KPN.

Die Niederländer, denen der deutsche Mobilfunkanbieter E-Plus gehört, werden seit Jahren als Übernahmekandidat gehandelt. Dafür sprechen gute Gründe: Konzernchef Ad Scheepbouwer hat den ehemaligen Staatskonzern erfolgreich restrukturiert und das Netz in den Niederlanden früh auf das leistungsfähigere Internetprotokoll umgestellt. Der Staat hat sich komplett aus KPN zurückgezogen und die operative Entwicklung des Unternehmens ist äußerst positiv: Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um gut vier Prozent auf rund zwölf Milliarden Euro zu - ein solches Plus schafften nur wenige Wettbewerber in Europa.

E-Plus ist mit seinen Billigangeboten in Deutschland eine erfolgreiche Wachstumsgeschichte und mit einem Börsenwert von 20,5 Milliarden Euro ist KPN klein genug, um leicht von einem der großen Spieler übernommen werden zu können.

Noch aber hat niemand zugeschlagen. Und je länger die Interessenten zögern, desto unwahrscheinlicher ein Deal. Der ideale Zeitpunkt für eine Übernahme ist wahrscheinlich bereits überschritten.

Der Grund dafür ist E-Plus. Die deutsche Tochter macht KPN erst interessant - denn allein ein Marktführer in den Niederlanden mit einer Mobilfunktochter in Belgien ist nicht gerade das, worauf Investoren sehnsüchtig warten.

Der deutsche Markt ist da schon wesentlich interessanter. E-Plus, der drittgrößte Anbieter nach Kunden hinter T-Mobile und Vodafone, wächst seit zwei Jahren deutlich, während die Rivalen zum Teil mit sinkenden Umsätzen kämpfen. Hinter dem Erfolgsrezept steckt die Billigstrategie von E-Plus. Die Düsseldorfer haben mit zahlreichen Untermarken die preisbewussten Kunden angezogen.

Doch gerade da liegt der Haken. Diese Erfolgsgeschichte wird die KPN-Tochter nicht mehr in demselben Tempo weiterführen können. Inzwischen haben die Wettbewerber das Konzept kopiert - selbst Marktführer T-Mobile hat mit Congstar eine eigene Billigmarke ins Leben gerufen.

Interesse an E-Plus kann deshalb nur derjenige haben, der nicht auf anhaltende Zuwachsraten schielt, sondern ein strategisches Ziel verfolgt. Hier kommt die spanische Telefónica ins Spiel. Ihr gehört der nach Kundenzahl kleinste deutsche Mobilfunker O2, der kaum wächst. Es würde sich deshalb anbieten, ihn mit E-Plus zusammenzulegen und zu einer schlagkräftigen Einheit zu bündeln, die neben Mobilfunk auch Festnetzdienstleistungen über das Telefónica-Netz anbietet. Noch wiegeln die Spanier ab - man habe derzeit kein Interesse an E-Plus.

Jeder andere Käufer hätte aber weit weniger Vorteile von einer Übernahme. Und so könnte KPN, der am heißesten gehandelte Übernahmekandidat am Ende der sein, der erstmal übrig bleibt.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%