Inside: Loewe: Reif für neue Impulse

Inside: Loewe
Reif für neue Impulse

Der Chefwechsel beim TV-Gerätehersteller Loewe ist auch ein Generationenwechsel. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Rainer Hecker weißt nach einem Vierteljahrhundert im Amt zwar eine positive Bilanz auf, doch das Unternehmen kann neue Ideen gut gebrauchen.

MÜNCHEN. Zwei Arten von Unternehmen gibt es: Die einen, in denen jeder Chefwechsel – von langer Hand geplant – auch ein Generationswechsel ist. Die anderen, in denen die Manager an der Spitze je nach Geschäftslage kommen und gehen.

Der fränkische TV-Gerätehersteller Loewe gehört zweifellos zur ersten Kategorie. Wenn Rainer Hecker im Juni als Vorstandschef zurücktritt, dann verabschiedet sich nach einem Vierteljahrhundert in der Unternehmensführung der Jahrgang 1944. Mit Frieder Löhrer, der bisher den Möbelproduzenten Rolf Benz geführt hat, zieht Jahrgang 1956 in die Chefetage in Kronach ein.

Hecker, ein ehemaliger Philips-Manager, hat das börsennotierte Unternehmen vor dem Schicksal bewahrt, das Grundig, Schneider und all die anderen, einst so großen deutschen TV-Marken, ereilt hat. Der gebürtige Elsässer hat die Nobelmarke durch sämtliche Krisen geführt, während bis auf Metz und Technisat alle anderen deutschen Anbieter verschwunden sind. Die Bilanz seiner Arbeit fällt deshalb trotz vieler Rückschläge unter dem Strich positiv aus.

Ungeachtet dieser Verdienste ist es gut, dass Hecker sich jetzt zurückzieht. Denn Loewe kann neue Impulse gut gebrauchen. Sicher, das Geschäft läuft rund, Gewinn und Umsatz sind vergangenes Jahr kräftig gestiegen. Wenn die Prognosen eintreffen, wird es auch 2008 weiter nach oben gehen. Loewe rechnet im laufenden Jahr mit einem Umsatzplus von sieben Prozent auf 400 Millionen Euro und einem um 14 Prozent verbesserten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 24 Millionen Euro.

Die Grundlage für Wachstum in diesem Jahr hat Hecker also gelegt. Doch wie geht es danach weiter? Wie kann Loewe dauerhaft gegen die viel größere Konkurrenz aus Asien bestehen? Wie lassen sich die Kunden davon überzeugen, für Loewe-Geräte auch künftig deutlich mehr zu bezahlen als für die Massenmarken aus Fernost? Und ist es auf Dauer nicht unumgänglich, in neue Bereiche zu expandieren? Frieder Löhrer muss Antworten darauf finden. Zudem muss er dafür sorgen, dass Loewe nicht noch einmal in Turbulenzen gerät wie vor vier Jahren. Damals stieg die gesamte Konkurrenz auf Flachbild-Geräte um, doch Loewe hinkte hinterher, hatte zu wenige Apparate im Angebot. Das edle Design war auf einmal nicht mehr gefragt, hohe Verluste liefen auf.

Wie schwierig es ist, die eigene Basis auszuweiten, hat jüngst der Konkurrent Bang & Olufsen schmerzlich erfahren. Die Edelmarke aus Dänemark hat ihren Chef wegen katastrophaler Zahlen Anfang des Jahres hinausgeworfen. Ausflüge ins Geschäft mit teuren Auto-Stereoanlagen und Nobel-Handys waren längst nicht so erfolgreich wie erhofft. Zudem griffen weniger Käufer als erwartet in Amerika und Asien zu den sündhaft teuren TV-Geräten und Stereoanlagen.

Auch Loewe hat vor einigen Jahren versucht, mit Telefonen zu punkten – ohne Erfolg. Es wäre eine enorme Leistung, wenn es Löhrer gelingen würde, dauerhaft in neue Segmente vorzustoßen.

hofer@handelsblatt.com

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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