Inside: McClatchy
Anspruchsvolle Vorgaben

Amerikas Zeitungsmarkt hat einen Test bestanden: Der zweitgrößte Verlag Knight-Ridder, von seinen Großaktionären zum Verkauf gezwungen, hat einen Käufer gefunden. Mehr als vier Monate lang konnte das Umfeld spekulieren: Würde sich jemand für die 32 Tageszeitungen und mehr als 50 übrigen Publikationen interessieren? Und wäre er bereit, mindestens 65 Dollar je Aktie zu zahlen? Wenn nicht, wäre das ein Zeichen, dass Investoren das Vertrauen in die gute alte Zeitung verloren hätten.

NEW YORK. Amerikas Zeitungsmarkt hat einen Test bestanden: Der zweitgrößte Verlag Knight-Ridder, von seinen Großaktionären zum Verkauf gezwungen, hat einen Käufer gefunden. Mehr als vier Monate lang konnte das Umfeld spekulieren: Würde sich jemand für die 32 Tageszeitungen und mehr als 50 übrigen Publikationen interessieren? Und wäre er bereit, mindestens 65 Dollar je Aktie zu zahlen? Wenn nicht, wäre das ein Zeichen, dass Investoren das Vertrauen in die gute alte Zeitung verloren hätten. Am Ende blieb genau ein Interessent – kein starkes Signal. Doch immerhin war der Bieter, der viel kleinere kalifornische Verlag McClatchy, bereit, 67,25 Dollar pro Aktie zu zahlen, drei Fünftel davon in bar. McClatchy wird mit der Übernahme – gemessen an der Tageszeitungs-Auflage von 3,2 Millionen – zweitgrößter Zeitungsverlag der USA nach dem Verlag Gannett mit 91 täglichen Publikationen, darunter USA Today, und einer Tages-Auflage von 7,3 Millionen. McClatchys ehrgeizigem Firmenchef Gary B. Pruitt geht es aber weniger um Größe. Sein Verlag ist ein Traditionshaus, dessen erste Tageszeitung, The Sacramento Bee, 1857 in Goldrausch-Zeiten an den Start ging. Die 12 Zeitungen wie Miami Herald oder Charlotte Observer gelten als Qualitätsblätter mit soliden journalistischen Standards – 13 Pulitzerpreise konnten sie schon einheimsen. Die Knight-Ridder-Blätter haben ein ähnliches Profil. Sie gehen zurück auf eine deutschsprachige Zeitung von 1892 und erhielten bisher 84 Pulitzerpreise. Doch es gibt Unterschiede. So hat bei McClatchy nach wie vor die Gründer-Familie das Sagen. Sie hält die Mehrzahl der stimmberechtigten Aktien. Dadurch ist die Firma sicher vor Angriffen ihrer Aktionäre. Und beim Geschäft hat McClatchy die Nase vorn: Der rentabelste Zeitungsverlag des Landes weist operative Gewinnmargen von 23 Prozent aus. Knight-Ridder kommt gerade auf 16 Prozent. Der Grund: Pruitt bevorzugt Märkte mit starkem Wachstum und ohne direkte Konkurrenz. Die Knigh-Ridder-Zeitungen sind ebenfalls profitabel, bedienen aber oft langsam wachsende Märkte, Großstädte wie Philadelphia, wo viele Menschen in Vororte mit eigenen Lokalzeitungen ziehen.

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