Inside: Netsuite
In der Realität angekommen

Software als Dienstleistung aus dem Internet gilt als einer der Wachstumsmärkte der Zukunft, und Oracle-Chef Larry Ellison will über seine Beteiligung bei Netsuite daran mitverdienen. Doch das Geschäftsmodell hat so seine Tücken.

Ein zweites Mal wollte Larry Ellison, Chef US-Softwareriesen Oracle, den Trend zu Software als Dienstleistung nicht verpassen. Als sich sein Protegé Marc Benioff Mitte 2004 mit Salesforce.com selbstständig machte, ließ er ihn ziehen. Als zwei seiner Mitarbeiter mit der Gründungsidee für Netsuite Inc. kamen, gab er ihnen das Startkapital und übernahm drei Viertel der Anteile.

Die Idee, Software bei Bedarf über das Internet als Dienstleistung zu beziehen, sieht auf den ersten Blick aus wie ein Geniestreich. Statt hoher Investitionen in Programme, Server und IT-Abteilungen nur eine monatliche Nutzungsgebühr und kein Ärger mit der Pflege von Daten und Programmen. Der Erfolg von Salesforce und der Einstieg von Google in die kostenlose Bereitstellung von Anwendungen im Internet alarmierten die traditionellen Softwareanbieter SAP, Microsoft, Oracle und IBM. Ellison hat in den vergangenen Jahren Dutzende von Konkurrenten gekauft mit dem Ziel, ein komplettes Softwareangebot für Großkunden in einer Hand zu vereinen. Dagegen will Erzrivale SAP mit dem Angebot seiner Software als Dienstleistung auch kleinere und mittlere Firmen als Kunden gewinnen.

Insofern ist Netsuite Ellisons Antwort auf SAP. Die Firma bietet kleineren und mittleren Firmen eine ganze Palette („suite“) von Programmen zur Unternehmenssteuerung, die über einen Webbrowser aufgerufen werden können. Im Gegensatz zu Salesforce, die sich auf standardisierte Software zur Führung von Außendienst-Mitarbeitern konzentriert, bietet Netsuite Programme für Lohn- und Debitorenbuchhaltung sowie für Einkauf und Marketing. Das Konzept einer IT-Abteilung zum Festpreis aus dem Netz klang so überzeugend, dass der Netsuite-Kurs kurz nach dem Börsengang im Dezember bis auf 46 Dollar kletterte. Mittlerweile kostet das Papier jedoch nur noch 19 Dollar, obwohl die jüngsten Quartalszahlen besser als erwartet ausgefallen sind. Die Gründe für die Talfahrt der Netsuite-Aktie liegen offenbar tiefer.

Die Realität von Software als Dienstleistung erweist sich als deutlich problematischer als die Theorie. Engpässe im Internet oder in Serverparks sorgen dafür, dass nicht alle Programme zu jeder Zeit in vollem Umfang verfügbar sind. Im Gegensatz zu Salesforce etwa bietet Netsuite überdies Programme, die sich einer Standardisierung weitgehend entziehen. Das macht ihre Einrichtung kompliziert, teuer und fehleranfällig.

Abgesehen von der Furcht vor verstopften Datenleitungen und Ausfällen während der Umstellung auf neue Software scheuen zusätzlich mehr Firmen als erwartet davor zurück, ihre internen Daten in fremde Hände zu geben. Hinzu kommt, dass Software als Service auf Dauer nicht selten teurer wird als eine eigene Datenverarbeitung. In Internet-Kummerkästen beschweren sich Kunden vor allem über horrende Umstellungsprobleme und versteckte Kosten.

Für die schöne neue Welt der Software als Dienstleistung über das Internet ist Netsuite bislang jedenfalls nicht das beste Beispiel.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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