Inside: News Corp
(K)eine alte Liebe

Alle Welt rätselt darüber, warum Rupert Murdoch als Chef des Medienkonzerns News Corp. 60 Dollar für eine Dow-Jones-Aktie bietet, obwohl die Börse das Mutterhaus des Wall Street Journal mit rund 36 Dollar für fair bewertet hält. Will der Pressebaron sich nur eine weitere Zeitungstrophäe in den Schrank stellen? Ein Erklärungsversuch.

NEW YORK. Das "Orakel von Omaha" bringt es auf den Punkt: "Selbst Rupert würde einräumen, dass sein Interesse am Wall Street Journal nicht nur ökonomische Gründe hat", sagt Großinvestor Warren Buffett. Viele Aktionäre von News Corp. fragen, warum Murdoch ausgerechnet jetzt bei Dow Jones einsteigen will. Versucht der 76jährige Medienunternehmer seinen Konzern doch schon seit drei Jahren fit zu machen für das Internet. Alle Sparten, vom TV-Network Fox über den Satellitenbetreiber DirectTV bis hin zu den zahlreichen Zeitungen in aller Welt wurden auf den Prüfstand des digitalen Zeitalters gestellt. Konse-quent hat Murdoch anschließend aufgeräumt. Erst kaufte er für 580 Millionen Dollar MySpace, um anschließend mit Google einen 900 Millionen Dollar schweren Werbevertrag für die Networking-Webseite abzuschließen. Zugleich ist MySpace eine ideale Marketingplattform, um jüngere Zielgruppen an die anderen Angebote von News Corp. heranzuführen. Ein Klick auf bringt den My-Space-Nutzer sofort zum Fox-Network.

Murdoch hat sich auch nicht gescheut, Unternehmensteile wieder abzustoßen. So tauschte er seinen 38prozentigen Anteil am Satellitenbetreiber DirectTV gegen weitere 19 Prozent der News-Corp-Aktien. Erst drei Jahre zuvor hatte er DircetTV nach heftigem Bietergefecht übernommen. Der Grund für die Kehrtwende: nicht das Satellitenfernsehen, sondern das Internet ist zum wichtigsten Vertriebskanal der digitalen Zukunft geworden.

Wie stark News Corp. das Internet verinnerlicht hat, zeigt auch ein Joint Venture im TV-Geschäft Zusammen mit NBC will der Konzern ab dem Sommer Fernsehprogramme über die Webseiten von Yahoo und AOL verbreiten. Auch im Sport hat Murdoch mit FoxSports.com eine eigene Plattform geschaffen. Partner ist hier der Softwareriese Microsoft. Nur noch 13 Prozent seines operativen Gewinns macht News Corp. mit dem klassischen Zeitungsgeschäft. Die Börse hat die digitale Offensive von Murdoch mit Beifall begleitet. Der Kurs von News Corp. ist in zwei Jahren um 50 Prozent gestiegen.

Vor diesem Hintergrund ist auch das Angebot für Dow Jones zu sehen. Weniger als Rückfall Murdochs zu seiner alten Zeitungsliebe. Die Übernahme des Wirtschaftsverlages würde vielmehr eine strategische Lücke für News Corp. schließen, hat der Konzern auf dem lukrativen Markt für Finanzinformationen bislang kaum etwas zu bieten. Murdoch ist überzeugt, dass sich mit Wirtschaftsnachrichten im Internet noch am ehesten Geld verdienen lässt.

So will er denn auch das Wall Street Journal nicht nur als Marke für sein im Herbst startendes Wirtschaftsfernsehen Fox Business Chanel nutzen. Das Journal und die Nachrichtenagentur Dow Jones könnten darüber hinaus die zahlreichen Tageszeitungen von News Corp. mit Wirtschaftsinformationen beliefern. Auf einer digitalen Plattform wie WSJ.com lassen sich mit Hilfe des Know-hows von Dow Jones maßgeschneiderte Finanzinformationen für Anleger in aller Welt offerieren. Und im Anzeigengeschäft ergeben sich neue Möglichkeiten, den Werbekunden Pakete für alle wesentlichen Medienplattformen anzubieten. Ob das am Ende einen Preis von fünf Milliarden Dollar rechtfertigt, kann selbst Murdoch heute noch nicht beantworten. Sicher ist jedoch, dass es sich bei seiner Offerte für Dow Jones um einen Deal für das digitale Zeitalter handelt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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