Inside: Nintendo
Konkurrenz kriegt rote Ohren

Nintendo wurde von Insidern bereits abgeschrieben. Im Geschäft mit Spielekonsolen zogen die Hersteller Sony und Microsoft mit großen Schritten vorbei. Doch während die Konkurrenz teuer produziert und unter Wert verkauft, setzt Nintendo von der neuen Wii-Konsole mehr Exemplare ab als die neueste Generation der XBox und Playstation – und das sogar mit Gewinn.

DÜSSELDORF. Der Gewinner des Machtkampfes zwischen Microsoft und Sony heißt Nintendo. Noch nie war die Materialschlacht in der 30 Milliarden Dollar schweren Branche für Videospiele härter, noch nie die Einsätze höher. Doch während die Konkurrenz Tag für Tag Millionen Dollar verbrennt, um Marktanteile zu gewinnen, macht Nintendo Kasse. 2006 verbuchte der japanische Konzern 1,1 Milliarden Euro Überschuss – doppelt so viel wie im Jahr zuvor. Die ohnehin schon brillanten Prognosen für 2007 wurden vor wenigen Tagen nochmals angehoben.

Die Situation ist paradox. Nintendo war von vielen Experten während der Vorfreude auf die nächste Konsolengeneration schon abgeschrieben worden. Spielefreaks stritten sich, ob nun Microsofts Startvorteil mit der X-Box 360 entscheidend sei oder nicht doch der sagenumwobene und sündhaft teure Cell-Chip der PlayStation 3 von Sony. Beide Konzerne investierten Milliarden. Sony setzte auf die stärkere Rechenleistung, Microsoft auf den üppigeren Online-Service. Beide versprachen Spiele in einer Bild- und Tonqualität, wie man sie noch nie gesehen hatte. Nintendo? Unwichtig.

Eben nicht. Während Microsoft und Sony den Kunden zumuten, 400 bis 600 Euro pro Konsole auszugeben und dabei trotzdem ein Verlustgeschäft machen, hat Nintendo das eingefahrene Marktprinzip für sich einfach außer Kraft gesetzt. Seit jeher gilt für Spielkonsolen, dass die Hardware in der Anfangsphase unter Herstellungskosten verkauft wird. Die Logik folgt dem „Gillette-Prinzip“: Wer genügend Rasierer in den Markt drückt, verdient später mit den Klingen sein Geld.

In der Videospielbranche sind die Konsolen die Rasierer und die Spiele die Klingen. Das wichtigste Ziel für einen Konsolenhersteller ist es, am Beginn einer neuen Gerätegeneration eiligst so viele Konsolen wie möglich zu verkaufen. Diese Basis animiert dann Softwarehersteller dazu, Spiele zu produzieren, und pro verkauftem Spiel kassiert der Konsolenhersteller Lizenzgebühren. Mehr Spiele bringen wiederum mehr Kunden dazu, sich Konsolen zu kaufen und mit der Zeit setzen Skaleneffekte ein – in der zweiten Hälfte eines Gerätezyklus soll auch die Hardware mit Gewinn verkauft werden.

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