Inside. Oracle
Das Spiel geht weiter

Das Softwareunternehmen Oracle ist dafür bekannt, zu Übernahmen zu neigen. In der Vergangenheit wurden sogar Vorwürfe laut, die Frima ginge zu schnell vor und kaufe um jeden Preis. Umso überraschender nun, dass Oracle sein Gebot für BEA Systems zurückgezogen hat. Ist dies am Ende nur ein geschickter Spielzug?

FRANKFURT. Oracle hat das Angebot für das Softwareunternehmen BEA Systems zurückgezogen. Manch einer mag sich ob dieser Information verwundert die Augen reiben. Hatte sich doch der Eindruck verfestigt, der Softwareriese des umstrittenen Gründers Larry Ellison würde alles kaufen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Doch beim Blick hinter die Kulissen verfliegt die Überraschung schnell. Im Gegenteil: Das Team um Ellison hat einen klugen Schachzug getätigt. Zum ersten ist längst noch nicht gesagt, dass Oracle endgültig von BEA Abschied genommen hat. Wollte Ellison etwas haben, hat er sich in der Vergangenheit als enorm zäh erwiesen. Erinnert sei an die gut 16 Monate dauernde Übernahmeschlacht um Peoplesoft. Mehrfach hatte Oracle Angebote zurückgezogen, neue und zugleich niedrigere Offerten vorgelegt - und am Ende gewonnen.

Zum zweiten kann Ellison mit dem vorläufigen Rückzug ein gutes Signal an die Investoren aussenden. Hatten die zuletzt verstärkt davor gewarnt, Oracle kaufe wahllos und zu teuer, zeigt der Oracle-Frontmann nun, dass dem nicht so ist. Es wird nicht um jeden Preis gekauft.

Kleine Einschränkung: zumindest nicht sofort. Denn - und das ist der dritte Aspekt – Ellison hat im Fall BEA eine schlagkräftige Waffe im Feindesland, auf die er sich ziemlich sicher verlassen kann. Carl Icahn, aggressiver Großinvestor und mit 13,2 Prozent der größte Einzelaktionär von BEA, will einen Verkauf. Schon drängt er das BEA-Management, das Unternehmen über eine Auktion zum Verkauf zu stellen. Da schon bislang keiner die Offerte von Oracle überboten hat, bedarf es keiner hellseherischen Fähigkeiten, um den Ausgang einer solchen Auktion vorherzusagen.

Und so ist es am Ende weniger die Frage, ob Oracle bei BEA zum Zuge kommt. Es ist vielmehr die Frage, was um Himmels willen Oracle mit BEA will? Bei keiner der bisherigen Übernahmen waren die Zweifel am strategischen Sinn größer. BEA ist spezialisiert auf Software, mit deren Hilfe Unternehmen ihren Flickenteppich an unterschiedlichen IT-Systemen verbinden können. Der Markt wächst, insofern ist BEA unter dem Gesichtspunkt zusätzlicher Kunden attraktiv. Allerdings hat Oracle ein eigenes Integrationspaket auf dem Markt, beziehungsweise ist gerade dabei, dieses dort zu etablieren. „Fusion“ heißt es und bietet in vielen Bereichen exakt das, was BEA auch kann. Nach einer Akquisition müsste eine der beiden Lösungen dran glauben – und damit wohl auch das Vertrauen vieler Kunden.

Bleibt die Theorie, Oracle wolle nur verhindern, dass sich ein anderer BEA schnappt. Doch auch die schwächelt. Es wären vor allem IT-Riesen wie IBM, Microsoft oder SAP, die einen solchen Deal stemmen könnten. Sie alle haben aber bereits eigene Integrationstechnologien. Die Übernahme durch einen bislang Marktfremden hingegen ist dagegen eher unwahrscheinlich. Längst zeichnet sich ab, dass der Wettkampf im Integrationsgeschäft künftig zwischen eben jenen großen Plattform-Anbietern wie IBM, SAP, Oracle und Microsoft abspielen wird. Für Spezialisten und Neulinge ist da kaum noch Platz.

So steht vorerst nur eines fest: Das Spiel um BEA bleibt spannend. Denn trotz seiner Absage ist Oracle weiter auf dem Feld.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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