Inside: Oracle
Katerstimmung nach der Fusionsparty?

An diesem Donnerstag wird der US-Softwarekonzern Oracle seinen Quartalsbericht vorlegen. Zum ersten Mal seit rund drei Jahren ist der Vergleich mit dem Vorjahr nicht durch eine Großakquisition verzerrt. Verfehlt Oracle die Erwartungen, dürfte sich unter Anlegern nach mehrjähriger Akquisitionsparty heftige Katerstimmung breitmachen.

PORTLAND. Die offene Frage ist, ob Oracles organisches Wachstum halten wird, was das Top-Management unter CEO Larry Ellison versprochen hat: 20 bis 25 Prozent Umsatzexpansion pro Jahr. Die Vergleichslatte liegt hoch. Oracles Vorjahresquartal war mit 30 Prozent Zuwachs bei Erlösen und Gewinnen besonders stark. Überdies ist nicht auszuschließen, dass die Probleme auf dem US-Kreditsektor Banken und Investmentfirmen veranlassen, auf absehbare Zeit weniger in Software zu investieren. Dieser Punkt verdient deshalb bei Oracles Prognose für den Rest des Jahres besondere Beachtung.

Zuletzt enttäuschte Oracle vor allem die Erwartungen bei den Anwendungsprogrammen, die Oracle serienweise einkaufte. Neue Lizenzen legten nur um 13 Prozent zu und wuchsen damit langsamer als das Stammgeschäft mit Datenbank-Software. Oracle gab mehr als 20 Milliarden Dollar aus, um sich Konkurrenten wie Peoplesoft, Siebel Systems und Hyperion Solutions einzuverleiben. Doch nun ist das Feld mit möglichen Übernahmekandidaten abgegrast.

Bei Anwendungsprogrammen für die Unternehmenssteuerung, etwa für Einkauf, Personalverwaltung oder Lagerhaltung, hat Erzrivale SAP die Nase vorn. Zwar wuchs Oracle zuletzt schneller als SAP, aber den größten Beitrag dazu leisteten Übernahmen. Nun arbeitet der Konzern daran, aus dem zusammengekauften Bauchladen an Anwendungen durch nahtlose Integration mit der eigenen Datenbank-Software noch mehr herauszuholen. Bereits heute ist Oracles Gewinnmarge mit knapp 24 Prozent höher als die 20 Prozent von SAP.

Dabei gibt Ellison nicht nur für Akquisitionen Geld mit vollen Händen aus, sondern er bedient sich auch selbst sehr ordentlich. Der milliardenschwere Oracle-Gründer bezog zuletzt gut 61 Millionen Dollar Gehalt und machte mit Aktienoptionen 182 Millionen Dollar Gewinn.

Wenn Oracle nun aber die Erwartungen verfehlt, dürfte sich unter Anlegern nach mehrjähriger Akquisitionsparty heftige Katerstimmung breit machen. Stellt dagegen das organische Wachstum zufrieden und kann der Konzern insbesondere mit seinem erweiterten Softwareangebot unter kleinen und mittleren Betrieben gegen SAP und Microsoft neue Kunden gewinnen, könnte der Kurs frischen Auftrieb bekommen.

Als Joker hat Ellison weiter Oracles Klage gegen SAP und deren Tochter Tomorrow-Now wegen angeblichen Diebstahls von Betriebsgeheimnissen im Ärmel. Wie er ihn spielen wird, ist unklar, aber billig dürfte SAP nicht davonkommen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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