Inside: Palm
Warten auf den großen Wurf

Als Entwicklungschef bei Apple stand Jon Rubinstein an der Wiege der neuen Mac-Computergeneration und des sagenhaft erfolgreichen Musikspeichers iPod. Mitte des Jahres heuerte er bei Palm an, um den taumelnden Smarthandy-Pionier wieder auf Trab zu bringen. Die jüngsten Quartalsergebnisse zeigen, dass es keine leichte Aufgabe ist.

PORTLAND. Palm gehörte mit ihrem "Treo" zu den ersten Anbietern von Telefonen, mit denen man auch E-Mails senden und durch das Internet surfen kann. Anstatt daraus wie Apple mit dem iPod einen Markt aufzurollen, stolpert Palm immer wieder über schlechte Planung, Produktionsengpässe und Qualitätsprobleme.

Knappe Finanzen und schleppendes Innovationstempo ließen den einstigen Pionier hinter forsche Konkurrenten wie die kanadische Research in Motion (RIM) zurückfallen. Während RIM ihren Blackberry im halbjährlichen Rhythmus modernisierte, vergaloppierte sich Palm mit dem Mini-Laptop "Foleo" und brauchte zu lange, um Geräte auch für das mobile Windows-Betriebssystem von Microsoft fit zu machen.

Anfang des Jahres schien eine Übernahme von Palm nur noch eine Frage der Zeit. Als potentieller Interessent wurde vor allem Motorola gehandelt, aber aus einem Deal wurde nichts, weil der damals zweitgrößte Handyhersteller der Welt selbst mit wachsenden Problemen zu kämpfen hatte.

Mit dem Verkauf von 25 Prozent der Firmenanteile für 325 Millionen Dollar an die Private Equity-Firma Elevation Partners und der Platzierung einer Schuldverschreibung in Höhe von 400 Millionen Dollar verschaffte sich Palm finanziell etwas Luft. Mit der Berufung von Rubinstein und des ehemaligen Apple -Finanzchefs Fred Anderson in den Verwaltungsrat verstärkte sich Palm personell entscheidend. Rubinstein ist als Executive Chairman für Produktstrategie, Entwicklung und Produktion verantwortlich. Er hat die Produktstrategie überholt und das Entwicklungsteam verstärkt. Palms neuestes Smarthandy "Centro" trägt schon seine Handschrift und im kommenden Jahr soll eine neue, Linux-basierte Softwareplattform fertig sein, auf der alle Palm -Produkte mit einheitlichen Anwendungen aufsetzen.

Wie schwierig es ist, Palm auf Trab zu bringen, zeigt das neue "Centro". Das Gerät, das Rubinstein noch in letzter Minute modifizierte, ist seit kurzem auf dem Markt. Seine Handhabung und technische Ausstattung haben zum Teil begeisterte Kritiken geerntet. Aber es gibt das Centro nur in Schwarz und Rot und bei Rot gibt es schon wieder Lieferprobleme. Der attraktive Preis von 99 Dollar bannt aber nicht die Gefahr, dass Palm zwischen dem Blackberry "Curve" für den Profimarkt und Apples iPhone für wohlhabende Privatnutzer zerrieben wird.

Bei einer Vorlaufzeit von rund 18 Monaten für neue Handy-Modelle kann man Rubinstein nicht für die Ergebnisse des zweiten Geschäftsquartals 2008 verantwortlich machen, das am 30. November endete. Sie zeigen indessen das Ausmaß seiner Aufgabe. Wegen der verzögerten Einführung des neuen Treo 755 und der Lieferengpässe beim Centro sackte der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal von 393 auf knapp 350 Millionen Dollar, Palm verlor weiter Marktanteile und rutschte mit 9,6 Millionen Dollar in die roten Zahlen. Im Vorjahr waren es noch 12,8 Millionen Dollar Gewwinn. Die Aussichten für das laufende Quartal sind ausgesprochen mies und für die Zukunft traut sich Palm keine Prognosen zu machen.

Nach aller Kritik an den Fehlleistungen des bisherigen Managements lautet die Frage, wie lange sich Ed Colligan, Palms Chief Executive seit 2004, noch halten kann. Analysten erwarten, dass Palm frühestens im Finanzjahr 2011 dauerhaft in die Gewinnzone zurückkehren kann. Bis dahin dürften die Aktionäre ihre Geduld mit Colligan verloren haben.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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