Inside: Partygaming
Der Fall des Zocker-Imperiums

Jede Glückssträhne geht einmal zu Ende. Nun hat es die Internet-Casinos erwischt. Steil war ihr Aufstieg und Partygaming war ihr Leitstern.

LONDON. Locker überflügelte das Unternehmen mit Sitz in Gibraltar nach dem Börsengang im Juni 2005 etablierte Konzerne und landete in der Eliteliga des FTSE-100-Index. Nun steht es vor den Scherben seines Geschäfts und muss neu aufbauen. Die USA haben die Online-Zocker aus dem Land geworfen wie der Barkeeper einen Falschspieler aus dem Saloon. Die Branche dürfte sich wohl selber keine Hoffnung machen, dass Präsident George W. Bush mitten im Kongress-Wahlkampf noch sein Veto gegen das Gesetz einlegt, das den Internet-Casinos die Geschäftsgrundlage entzieht. Auch die Neigung der europäischen Regierungen, sich ausgerechnet für die Zocker-Branche bei der Welthandelsorganisation stark zu machen, dürfte gering sein.

Zurück auf Anfang also für Partygaming. Knapp vier Fünftel der Kunden und der Umsätze sind für den Marktführer von heute auf morgen verloren. Entsprechend fiel der Aktienkurs seit Wochenbeginn um mehr als 60 Prozent. Er liegt damit bei einem Drittel des Emissionspreises. Die Aktionäre müssen zudem noch den Ausfall der versprochenen Dividende schlucken. Doch beschweren können sie sich nicht, und Klagen haben wohl keine Aussicht auf Erfolg. Ausführlich hat Partygaming schließlich im Börsenprospekt auf regulatorische Risiken hingewiesen: Auch wenn die Entscheidung des US-Kongresses in der Nacht zum Samstag überraschend kam, war doch die Legalität des Geschäfts auf dem Hauptmarkt USA schon immer zweifelhaft.

Den vier Firmengründern gehören zwar immer noch zwei Drittel der Aktien, den Rest haben sie aber zur richtigen Zeit zu Geld gemacht und sich aus dem Management verabschiedet. Das Gründerteam besteht aus dem Inder Anurag Dikshit, dem Kopf hinter der Poker-Software, seinem Geschäftspartner Vikrant Bhargava, der US-Anwältin und Porno-Unternehmerin Ruth Parasol und ihrem Ehemann Russ DeLeon. Der Börsengang hat ihnen Milliarden gebracht: Dikshit ist mit Anfang 30 einer der jüngsten Milliardäre, Parasol steht auf der „Forbes“-Liste unter den 500 Reichsten der Welt. Es hätte noch etwas mehr sein können, doch als die Gründer sich im Juni die Haltefrist verkürzen ließen, spielte die Börse nicht mit und kaufte ihnen nicht alle Aktien ab, die sie loswerden wollten.

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