Inside: Pin Group
Große Lösung, nur kleiner

Es ist ein Trauerspiel: Die Zerschlagung der Pin Group rückt immer näher. Dem Insolvenzverwalter läuft die Zeit zur Rettung des Briefdienstes davon. Die angestrebte „große Lösung“, also der Verkauf der Pin Group als bundesweite Zustellgruppe, wird immer fraglicher, weil immer schwieriger.

Denn inzwischen ist gut die Hälfte der 11 400 Arbeitsplätze der Pin Group verloren. Fast jede zweite der 90 operativ tätigen Pin-Gesellschaften wurde geschlossen oder verkauft. Lediglich 50 Unternehmen, die wirtschaftlich gesund sein sollen - zumeist starke regionale Gesellschaften - bilden nun noch das Gerippe einer Briefgruppe, die einst der Deutschen Post im ganzen Land Paroli bieten und einen Marktanteil von zehn Prozent mit Milliardenumsätzen erreichen wollte. Wer aber findet die Rest-Pin-Group noch attraktiv?

Managementfehler und der Rückzug des Großaktionärs Axel Springer hatten das Unternehmen Ende vergangenen Jahres in die Schieflage gebracht. Die junge Gruppe hatte sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefunden und war noch längst nicht über die schwierige Startphase hinaus. Der Medienkonzern Springer nahm die Einführung des Mindestlohns zum Anlass, sich aus dem Briefgeschäft und der Verantwortung bei der Pin Group zurückzuziehen. Das Investment war Springer zu riskant geworden, da die Gewinnschwelle nun erst Jahre später erreicht worden wäre.

Selbst der Insolvenzverwalter räumt ein, dass Kaufinteressenten nach Prüfung der Bücher abgesprungen sind. So haben beispielsweise fast alle interessierten Finanzinvestoren angesichts des eilig zusammengekauften Brief-Ladens abgewunken - Mindestlohn hin oder her. Dennoch hält der Insolvenzverwalter die Hoffnung auf eine "große Lösung" aufrecht. Angeblich verhandelt er noch mit vier Investoren, darunter die französische La Poste. Dies aber bereits seit Anfang des Jahres. Schon im Februar wollte er eine Lösung präsentieren. Nun ist es schon April. Die Franzosen, sie zögern weiter. Denn zur Stabilisierung der Pin Group und zum Neuaufbau des Netzes sind hohe Investitionen erforderlich. Und es ist rechtlich unklar, ob die Franzosen überhaupt in das deutsche Briefgeschäft einsteigen dürfen. Denn in Frankreich ist das Briefmonopol noch immer nicht gefallen, in Deutschland dagegen schon. Derweil gehen bei der Pin Group die Lichter aus.

Klar ist: Sollte keine bundesweite Vernetzung mehr möglich sein, weil das Pin-Netz zu große Löcher hat, wird es keine große Lösung geben. Der Verkauf in Einzelteilen wäre die Folge.

Danach sieht es immer mehr aus. Denn es gibt viele Interessenten, vor allem die ehemaligen Eigentümer aus der Verlagsbranche, mit Ausnahme von Springer. WAZ -Gruppe, Holtzbrinck ("Handelsblatt") und andere Zeitungsverlage hatten ihre Anteile für viel Geld an Springer verkauft, nun wollen sie zumindest die "Rosinen" günstig zurückerwerben. Dem Pin-Insolvenzverwalter soll es recht sein: Hauptsache, die restlichen 5 000 Arbeitsplätze werden gesichert.

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