Inside: Premiere
Murdoch macht Mut

Es ist nicht so, dass Premiere unbeliebt wäre - im Gegenteil, der Münchener Bezahlkanal hat Millionen begeisterter Zuschauer. Allerdings zahlen einige Hunderttausend keinen Cent für den TV-Genuss, weil sie die Verschlüsselung geknackt haben. Die Schwarzseher sind aber nur einer von vielen Gründen, warum das börsennotierte Unternehmen auch 17 Jahre nach dem Sendestart regelmäßig rote Zahlen schreibt.

MÜNCHEN. Wenn ein Geschäft über so lange Zeit nicht richtig läuft, dann ist etwas faul. Das weiß auch Premiere-Chef Michael Börnicke. Deshalb kommt ihm der Einstieg des neuen Großaktionärs Rupert Murdoch gerade recht. Der Medienmogul hat Anfang der Woche seinen Anteil an Premiere über die von ihm kontrollierte News Corp. auf eine Sperrminorität von 25,01 Prozent ausgeweitet. Im Januar war Murdoch mit 14 Prozent eingestiegen und hat seither zugekauft. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die New Yorker News Corp. die Kontrolle übernimmt.

Schon heute profitiert Premiere allerdings von den Amerikanern. Mit seiner neuen Verschlüsselungssoftware setzt Premiere bereits auf Technik aus dem Hause Murdoch. Doch dies wird nur der Anfang sein. Mit der Finanzkraft von News Corp. im Rücken kann Premiere in wichtigen Ausschreibungen wie beispielsweise um die Bundesliga-Rechte deutlich selbstbewusster auftreten.

Das ist noch nicht alles: Börnicke hat bereits angekündigt, dass er den frei empfangbaren Sender Sat 1 kaufen will. Zwar sträubt sich die Senderkette Pro Sieben Sat 1 noch dagegen. Doch mit den Millionen von Murdoch scheint die Übernahme eines der großen TV-Sender von Deutschland in greifbare Nähe gerückt.

Als Verbund von Pay- und Free-TV-Kanälen wäre Premiere dann nicht mehr nur ein Nischenanbieter auf dem deutschen Fernsehmarkt. Der Münchener Sender hätte einerseits mehr Einkaufsmacht, weil sie die Rechte mehrfach verwerten können. Andererseits kämen die großen Werbekunden dann nicht mehr an ihnen vorbei.

Dazu kommt: Premiere könnte künftig auch mit den anderen Bezahlsendern von Murdoch zusammenarbeiten, zum Beispiel mit Sky Italia. Gemeinsam könnten sich die Kanäle zum Beispiel die Produktionskosten großer Sportereignisse wie der Formel Eins teilen. Gewiss, noch ist das alles Zukunftsmusik. Doch intern sind die Pläne für eine enge Zusammenarbeit zwischen News Corp. und Premiere offenbar schon weit gediehen. Auch das Ziel ist klar: Premiere soll von einer Milliarde Umsatz auf zwei bis drei Milliarden Euro wachsen.

Vom Einstieg Murdochs profitiert indes nicht nur Premiere selbst, sondern auch die leidgeprüften Aktionäre: Gestern kletterte der Kurs angesichts der Übernahmephantasie in einem schwachen Umfeld zeitweise um mehr als ein Prozent und gehörte damit zu den besten Aktien im MDax. Analysten rechnen damit, dass es in den nächsten Wochen weiter aufwärts geht.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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